Vom Aperçu zur Abrissbirne
Der Butler (Dirk Audehm) torkelt wie der selige Freddie Frinton aus «Dinner for One» den Afternoon-Tea für die Damen herbei – in einem Bühnenbild (von Marc Bausback), das mit Fotojalousien und rot-grünem Primärkontrastmobiliar ironisch einen süßlichen Hauch von Empire-Wohnstube verströmt. Nicht süßlich, eher schon echter Kandiszucker sind die funkelnd aufkostümierten Wellness-Ladies der Londoner High Society.
Wenn der Plot um die Korruptionsaffäre des beklagenswert unidealen Business-Mannes Lord Chiltern angeschoben wird, orgelt Live-Pianist Falk Effenberger Signalmusiken à la 50er-Jahre-Krimi von der Seite rein. Und alle lächeln breit ins Publikum.
Während Herbert Fritsch gewissermaßen den Typus der Boulevard-Komödie auf LSD nach Schwerin gebracht hat, zieht Christian Weise im großen Haus des Staatstheaters eher am guten alten Boulevard-Joint. Anfangs zumindest. Da gibt man sich ein bisschen schrill und schnippt gelegentlich eine Zote über die Rampe, was mit Elfriede Jelineks Neubearbeitung von Oscar Wildes «An Ideal Husband» nicht schwerfällt. Wo Wilde mit geistreich analytischen Bonmots punktet, steuert Jelinek Kalauer der mittleren Jelinek-Preisklasse bei. Auf das dritte bis ...
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Theater heute November 2012
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Christian Rakow
1./Donnerstag
20.15 ARD: Rommel Fernsehfilm (2012) von Niki Stein, mit Ulrich Tukur, Thomas Thieme, Hanns Zischler, Johannes Silberschneider, Jochen Noch u.a.
(am 17./Samstag in 3sat)
3./Samstag
20.15, 3sat: Der Reigen von Schnitzler, mit Petra Morzé, Katharina Strasser,
Miguel Herz-Kestranek u.a., Regie Helmut Wiesner. Aufzeichnung von den Sommerspielen Reichenau...
Gerade mal 23 ist Laura Naumann, vier Stücke hat sie geschrieben, und an Wettbewerben und Preisen hat sie vom Berliner Stückemarkt bis zu den Autorentheatertagen am DT schon mitgenommen, was mitzunehmen ist. Nebenbei studiert sie im Performancecluster Hildesheim Kreatives Schreiben und ist Mitglied der Game-Performer MachinaEx, deren surreale Spielinstallationen...
Man wird Erwin Strittmatter keinen übertrieben komplizierten Blick auf die Welt vorwerfen können. Der 1994 verstorbene Autor war fest verwurzelt in seinem dörflichen Niederlausitzer Umfeld, das er in seiner Romantrilogie «Der Laden» von den zwanziger bis in die fünfziger Jahre beschaulich ausbreitet. Eng am eigenen Leben gearbeitet, liefert der elterliche...
