Unheimlicher Psychokosmos
Unheimlich ist es heimzukommen. Zumindest für die gefeierte Pianistin Charlotte, die nach sieben langen Jahren ihre Tochter Eva besucht. Zurückgezogen lebt diese mit ihrem Mann, einem Pfarrer, und ihrer älteren Schwester auf dem Land, während die Mutter mondän in der Welt gewesen ist. In diesem Heim am Ende der Welt sind es nun Geister der Vergangenheit, die Charlotte einholen. Sie hat gelebt, ohne Rücksicht auf Verluste, getrieben vom Erfolg und von der Unfähigkeit, sich auf Verantwortung einzulassen.
Die Kinder sind für sie schmückendes Beiwerk gewesen, man hat sie halt, kleine Statussymbole, gesellschaftliche Notwendigkeiten, gekümmert haben sich andere. Ihre beiden Töchter sind entsprechend geschädigt, Schuld hat natürlich die grotesk emanzipierte Mutter, die die kranke ältere Tochter abgeschoben und verdrängt und die jüngere Tochter sich selbst überlassen hat.
Diese Rabenmutter aus Ingmar Bergmans Film «Herbstsonate» (1978) ist auch bei Jan Bosse in Stuttgart keine sympathische Figur. Corinna Harfouch spielt sie selbstverliebt, egozentrisch, manisch-depressiv. Ihre Charlotte liebt den großen Auftritt – eine Diva, die, von sich selbst fasziniert, rasend schnell von einer ...
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Theater heute Februar 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Kristin Becker
Personen
Die Junge (30)
Die Mittlere (50)
Die Alte (90)
4 SCHWESTERN
(die Hundsmäuligen)
Das Beil, das Männer mordet, reiche mir einer rasch!
(Klytaimnestra)
Drei Betten, für Die Junge, Die Mittlere, Die Alte, und also wie drei Häuser und zugleich die Schließanstalten, in welchen die vier hundsmäuligen Schwestern diese Betten zu bewohnen pflegen...
Ein gewisses Verwirrspiel mit Rollenidentitäten gehört zum Konzept von Falk Richters schwuler Empowerment-Inszenierung «Small Town Boy». Zum Auftakt befragt der Videokünstler Glen, mit geschmeidiger Arroganz gespielt von Thomas Wodianka, seinen One-Night-Stand Russell, offensiv defensiv gespielt von Aleksandar Radenkovic, vor laufender Kamera für ein Kunstprojekt...
Wenn zwei sich nicht mehr so sehr lieben, hilft – manchmal – ein Dritter. Ein Nebenbuhler, der die alte Leidenschaft – und sei es nur die Eifersucht – durch sein Begehren in den Köpfen neu entfacht. James Joyce, der Erfinder des Bewusstseinsstroms, war Zeit seines Lebens besessen von dieser Art des Liebesspiels über die Bande eines imaginierten Dritten, mal, wie in...
