«Und dann beginn ich was Neues»
Nein, hatte Ozan vor zwei Jahren gesagt, er könne doch jetzt keinen Gemüseladen oder eine Döner-Bude in der Stadt aufmachen. Aber was solle er tun? Damals stampfte er bei diesen Sätzen mit den Füßen auf, vor Kälte und auch vor Wut. Die Hände streckte er in Richtung der Flammen, die aus den verrosteten, zu Öfen umgerüsteten Benzinfässern züngelten: «Auswandern vielleicht, nach Neuseeland», sagte er bei zehn Grad unter Null vor den verriegelten Werkstoren der AEG, «auf jeden Fall weg aus diesem Europa.
Aber wer will uns schon haben?» Ein Auto raste vorbei und grüßte wild hupend die Streikfront. Ozan winkte müde ins Leere zurück.
Der Großraum Nürnberg, der sich vollmundig «Metropolregion» getauft hat und doch so sehr an seinem fatalen Provinz-Image klebt, musste zwischen 1989 und 2006 im Industriebereich einen Rückgang von 89.000 auf 52.000 Beschäftigte verkraften (aktuell sind es noch einmal 10.000 weniger). Für Ozan, Sohn eines AEG-Arbeiters in Rente, selbst schon zwölf Jahre dort beschäftigt und Vater von drei Kindern sah es nicht gut aus im Streikwinter 2006.
Streiktourismus
Zu dritt standen sie an diesem Abend auf ihrem Posten vor dem Tor, durch das früher Hunderte von ...
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Dieser Monolog hat ja eine eigenartige soghafte Qualität. Ein Rausch der Brutalität, gehetzt, sprachlich verdichtet und zur mystischen Selbstauflösung überhöht. «Juli» von Iwan Wyrypajew (1974 in Ostsibirien geboren) spielt in naher Zukunft, im Jahr 2013 in der Irrenanstalt von Smolensk. Und es spielt in unseren Tagen; denn der dannzumal 63-jährige Ich-Erzähler...
Wenn die grell leuchtenden Kreuze gleich am Anfang in den Schnürboden hinaufgezogen werden, heißt das nicht, dass fortan das rationale Denken auf der Bühne walten wird. Im Gegenteil. Die Zeichen der Kirche sind zwar verschwunden, aber in den Köpfen der Menschen bleiben (Aber-)Glaube und Bigotterie eingebrannt.
Andrea Maria Schenkels Erfolgsroman «Tannöd» ist sicher...
