Grenzen überschreiten
Im strahlenden Sonnenschein eilt Katie Mitchell zum Treffpunkt National Theatre Bühneneingang. Etwas zu spät wegen dringender Bankgeschäfte – das Wort Island fällt –, etwas in Eile, weil sie in ein paar Stunden der Presse ihr frischgeschriebenes Buch «The Director’s Craft» vorstellen wird. In ihrem Rucksack schwere Wälzer anderer Natur: Sie recherchiere gerade zwei Projekte gleichzeitig, entschuldigt sie sich, eine Oper und Franz Xaver Kroetz’ «Wunschkonzert», ihre erste Produktion auf deutschem Boden, am Schauspiel Köln.
Katie Mitchell ist Associate Director am National Theatre. Zu höheren Weihen kann man im englischen Theater kaum aufsteigen. Ihre Vorbilder, sagt Mitchell, seien allerdings samt und sonders kontinentaleuropäisch. Tatsächlich sind ihre Arbeiten gewöhnlich dezidierter konzeptioniert und bilderstärker inszeniert als die meisten ihrer Kollegen im britischen Mainstream. Was auch damit zu tun haben könnte, dass Mitchell über Ambitionen im Bereich Bildende Kunst zum Theater kam. Mit 16 hielt sie ihre Aussichten, Damien Hirst Paroli zu bieten, für trübe und fing stattdessen an, mit Menschen auf der Bühne Bilder zu entwickeln. Sie war schon in Manchester für Theater ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wer zur Zeit und bis ins «Kulturhauptstadt»-Jahr 2010 hinein auf der A 40 von und nach Bochum fährt, gerät ins Stocken. Eine beidseitig kilometerlange Baustelle macht die verengte Spur zur Slalomstrecke, hier ein blockierter Abzweig, dort eine unplanmäßige Ausbuchtung, mal eine Sperrlinie, eine Hemmschwelle, eine wie aus dem Nichts auftauchende Kurve. Vielleicht...
Zuallererst muss man eine Vermisstenanzeige aufgeben. Wo ist eigentlich Guido Westerwelle? Seit dem Zusammenbruch der Finanzmärkte hat er sich gemeinsam mit allen anderen Deregulierungsfachleuten zurückgezogen und liest in einem Managerseminar, möglicherweise von Rimini Protokoll angeleitet, erstmals «Das Kapital» – nun gut. Und schwitzt sich den Liberalismus aus...
Das wirklich interessante Lehrstück fand im Vor- und Nachspiel zur Inszenierung statt. Wie üblich hatte das Hamburger Schauspielhaus seinen potenten Freundeskreis zu einer öffentlichen Probe geladen, bevor die Premiere von Volker Löschs «Marat/Sade»-Produktion nach Peter Weiss und mit Hamburger Hartz-IV-Chor Ende Oktober über die Bühne ging. Im Epilog zum Stück,...
