Theater ohne Mantel

Der Realismus der Ideen oder Wie man nach sieben Spielzeiten «Theater des Jahres» wird. Eine Eigenwahrnehmung aus dem Deutschen Theater Berlin

Theater heute - Logo

Was für ein schöner Titel: «Theater des Jahres 2008». Dankeschön, liebe Kritiker! Wir werden dieses Prädikat feiern, und Bernd Wilms, der im Abgehen ausgezeichnete Intendant, wird zum Anstoßen auf seiner alten West-Ost-Route von Charlottenburg nach Mitte in die Schumannstraße geradelt kommen. Glückwünsche werden jederzeit gerne entgegengenommen, unsere Grafik bastelt bereits an einem Jubel-Logo für die nächsten Drucksachen, und alle am Haus dürfen sich gemeint fühlen, auch der zweite Dramaturg von links, der hier ein bisschen versucht, für alle zu sprechen.

Das ist schwierig genug, ich sag jetzt mal trotzdem immer wir, wenn ich das Deutsche Theater und meine Kollegen meine.
 

Auszeichnungen nimmt man ernster dann, wenn man sie selber bekommt, das ist wohl ein Naturgesetz. Deshalb sei zur Einleitung dieser feierliche Ton gestattet. Alles Misstrauen, das Theaterleute gegen Kritiker völlig zu Recht hegen, will heute vergessen sein. Schon sehe ich mich in die ebenso peinliche wie schmeichelhafte Lage versetzt, darüber nachzudenken, was man – im undurchsichtigen Kollektiv von Künstlern einerseits sowie auch sonst diesseits und jenseits der Bühne – möglicherweise richtig gemacht hat. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2008
Rubrik: Das Theater des Jahres, Seite 132
von Roland Koberg

Vergriffen
Weitere Beiträge
Arbeiten wie eine Lokomotive

Willkommen zum Talentetag. Wenn man vor so talentierten Menschen sprechen soll, ist das eine beängstigende Ehre.

Mein Name ist Simon Stephens. Ich bin Dramatiker. Ich werde heute Vormittag über Talent reden. Darüber, was dieses Wort bedeu­tet. Was das für eine Eigenschaft ist. Und woher sie kommt. Weil ich Dramatiker bin, kann es gut sein, dass mein Vortrag auf...

Windmühlen vor Graz

Christian Winkler, 1981 in Graz geboren und in der Steiermark aufgewachsen, kennt das englischsprachige Theater ebenso wie das deutschsprachige und ist erst vor kurzem von seinem Londoner Regiestudium nach Österreich zurückgekehrt, um nun von dort aus als Regisseur und Autor Theater zu machen. Und in den letzten Monaten ist viel passiert: Winkler hat seine Texte in...

Der Dramatiker und sein Double

Dennis Kelly rollt den Fall einer jungen Mutter auf, die überraschend ihre zwei kleinen Kinder verloren hat. War es Mord oder plötzlicher Kindstod? Diese Frage spaltet die Familie, die Wissenschaft, die Justiz und geht durch alle Medien. Kelly ist bei diesem Dokumentar-Stück ein Zuschauer, er sitzt im Publikum und mischt sich gelegentlich ein. Er fragt seine...