Tausend Warums
Für den Titel ihres neuen Stückes greift die serbische Dramatikerin Biljana Srbljanovic tief in die Begriffskiste der religiösen und spirituellen Mythologie: Dort steht «Barbelo» mal generell für (religiöse) Offenbarung, mal, wie bei den Gnostikern, für «die Mutter alles Lebenden», und schließlich wird damit schlicht und sehr konkret auch die Gebärmutter bezeichnet. «Barbelo» also als eine Art Quelle der Welt: der weibliche Unterleib, der Leben spendet und der Beginn von allem ist.
Biljana Srbljanovics «Barbelo» ist in diesem Sinne zunächst ein Stück über Mütter und über den Wunsch, Mutter zu sein. Und es ist im Kern eine Familiengeschichte, die von komplizierten Verhältnissen handelt: Von Marko, dessen Frau gestorben ist, von seinem zu dicken Sohn Zoran und von Milena – Markos neuer Frau und Zorans Stiefmutter –, die sich so sehr ein eigenes Kind wünscht, aber nach einer fälschlich diagnostizierten Schwangerschaft dann doch nur einen Hund bekommt. Und auch sie, die verhinderte Möchtegern-Mutter und Stiefmutter, hat selbst eine Mutter: Mila, mit der sie einen endlosen Dialog in Briefen führt, der eigentlich ein Monolog ist und ein unerhörter Schrei nach Liebe, weil Milena auf ...
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Theater heute Jahrbuch 2008
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 178
von Thomas Laue
Manchmal findet sich, wenn man müde ist von der immer weiter anschwellenden Flut «Szenischen Schreibens» hierzulande, ein Text, der richtig Theater sein will. Und als griffen wir nach langem wieder zum Märchenbuch, werden wir verzaubert, vom Unterbewussten heimgesucht, entführt, von Äxten, Dämonen und der eigenen Familie bedroht, fahren wir in schrottreifen Karren...
Dennis Kelly rollt den Fall einer jungen Mutter auf, die überraschend ihre zwei kleinen Kinder verloren hat. War es Mord oder plötzlicher Kindstod? Diese Frage spaltet die Familie, die Wissenschaft, die Justiz und geht durch alle Medien. Kelly ist bei diesem Dokumentar-Stück ein Zuschauer, er sitzt im Publikum und mischt sich gelegentlich ein. Er fragt seine...
Prolog
Wie sich im Laufe des letzten halben Jahres herausgestellt hat, gibt es keinen Sektor des Lebens, der Kultur, der Politik, keine Betätigung zwischen Fußball und Fallenstellen, die nicht ihr 68 gehabt hätten. Die hinter uns liegende Zeit besonders intensiver Debatte darüber, was das eigentliche 68 gewesen wäre, das Wesen von 68 nämlich, im Gegensatz zum...
