Streng und monströs
Zwischen Innen und Außen, Gefühl und Welt: ein Abgrund. Selbstwahrnehmung und Welterfassung klaffen auseinander. Kleists «Penthesilea» ist das Drama dieses Missverhältnisses. Das Dokument einer hypertrophen Triebbewegung, die sich absolut setzt, eine verzweifelt arrogante Feier der maßlosen Innerlichkeit. An solch strenger Monstrosität scheitern alle Bebilderungsversuche, alle Versuche der kritischen Klassikerinszenierung, wie wir sie seit den 70er Jahren kennen.
Der Amazonenstaat als feministische Utopie, das Griechenheer als Heldentrainingslager – so kann man Kleist nur lächerlich machen. Hans-Jürgen Syberberg und Edith Clever haben 1987 eine andere Richtung gezeigt: «Penthesilea» als Monodrama, als Solo für eine Sprecherin.
Diesen Weg der Reduktion, des Minimalismus, geht auch die Bochumer Inszenierung Lisa Nielebocks, aber mit analytischer Ironie, ohne priesterliche Attitüde. Mit ihrer vierten Inszenierung am Bochumer Schauspielhaus hat sie wieder die Dramatisierung eines antiken Stoffes ausgewählt. Von ihrem Ovid-Programm «Liebesbriefe» im Foyer der Kammerspiele, einer Dramatisierung der Heroides-Briefe, schwärmte selbst der Schweizerische Altphilologenverband. Nun ist sie ...
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Theater heuteHerr Puhlmann, Sie eröffnen in Stuttgart Ihre Intendanz an der Oper mit dem Regiedebüt eines bisher nur aus dem Schauspiel bekannten Regisseurs, Sebastian Nübling, und Bizets «Carmen». Das ist ohne Zweifel mutig. Was macht Schauspielregisseure für die Oper interessant?
Albrecht PuhlmannDie Entscheidung für diesen Regisseur und die Bühnenbildnerin...
Ein Mann allein an der Rampe. Kerzengerade und doch locker Stand- und Spielbein wahrend, den rechten Arm angriffslustig in die Hüfte gestemmt, der Schädel rot und stolz erhoben. Das weiße Hemd strahlt durch die Bühnennacht. Dunkle Bläser, satte Streicher aus der «Alpensinfonie» von Richard Strauss tauchen den Puntila von Norman Hacker für Minuten in ein schweres...
Die Wände bilden ein Kreuz – ein metallisch kalt schimmerndes. Die fahrbaren Elemente dieses Drehkreuzes werden in den häufigen Szenenwechseln von jungen schlanken Mädchen verschoben wie Uhrzeiger, die das Vergehen der Zeit und ewige Sisyphos-Anstrengung symbolisieren. In den Nischen der vier wuchtigen Streben (Bühne Christof Hetzer) wohnen, als wären es...
