Seltsame Heilige
Wenn die Götter den Osten lieben, dann behalten sie es jedenfalls auffällig für sich. Der Dürre-Sommer 2003 ließ in Brandenburg die Felder vertrocknen, die Duschen in den Camping-Plätzen versiegen, und die anhaltende Medien-Krise hat die freischaffende Architekturkritikerin Lissie Kelch obendrein den letzten Job gekostet.
Worauf sie ihren Kleinwagen voll lädt und sich mit der letzten Tankfüllung von Berlin in den Oderbruch aufmacht, direkt zu ihrer alten Freundin Insa Breydenbach auf Gut Serkow – oder was von den beiden übrig geblieben ist – und mitten hinein in Botho Strauß’ neues Stück: zum gemütlichen Ruinen-Palaver im Abendrot der Gegenwart.
Er halte «das selbstbestimmte Individuum für die frechste Lüge der Vernunft», hatte Strauß in «Beginnlosigkeit» verkündet. Und wie zum Beweis wieder einmal ein paar dramatische Prachtexemplare seiner These versammelt. Die beiden älteren Damen können auf solide Achtundsechziger-Biographien zurückblicken. Man war emanzipiert, engagiert, feministisch und auch sonst allweil auf der Höhe des individualistischen Zeitgeists. Die familiären Werte sind darüber etwas in den Hintergrund getreten. Lissie hat Insa jedenfalls regelmäßig die Männer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die junge Frau mit der roten Strickjacke stößt einen tiefen, wunden, würgenden Schrei aus. Es ist der Moment, in dem sie begreift, dass sie sterben wird: Nicht irgendwann später, wie jeder Mensch glaubt, nicht frühestens 99 Tage nach dem Gerichtsurteil, wie morgens Zellengenossin Else versprochen hat, sondern noch heute, gleich. So will es das Nazi-Regime, das an...
«Theatre, in the Islamic Republic, finds its noble and high responsibilities in expressing pains and suffering of fettered and oppressed human beings.» revolutionsführer ali chamenei (vorangestellt dem katalog zum 23. internationalen fadjr-festival)
Darf ich mich einen Moment zu Ihnen setzen?» Obwohl im Flugzeug nach Teheran noch viele Plätze frei sind, setzt...
Von außen sieht das Babelsberger Studiogelände aus wie eine Strumpfhosenfabrik. Nur dass vor den Werkstoren immer eine Traube pubertierender Autogrammjäger auf ihre Serienstars wartet. In den zwei klimatisierten Bürokomplexen der «Grundy Ufa» arbeiten 140 Mitarbeiter von Montag bis Freitag an der täglichen Fernsehserie «Gute Zeiten, schlechte Zeiten». Die wenigsten...
