Schwester Courage
Die junge Frau mit der roten Strickjacke stößt einen tiefen, wunden, würgenden Schrei aus. Es ist der Moment, in dem sie begreift, dass sie sterben wird: Nicht irgendwann später, wie jeder Mensch glaubt, nicht frühestens 99 Tage nach dem Gerichtsurteil, wie morgens Zellengenossin Else versprochen hat, sondern noch heute, gleich. So will es das Nazi-Regime, das an Sophie Scholl, ihrem Bruder Hans und Christoph Probst, dem jungen Vater dreier Kinder, ein niederträchtiges Exempel statuiert.
Spätestens nach diesem Schrei, den Julia Jentsch in der Filmrolle der Sophie hervorstößt, hebt im abgeklärten Publikum der Pressevorführung ein heftiges Schneuzen und Nasehochziehen an. Es schwillt an, wenn Sophie ein letztes Mal ihre alten Eltern sieht («Ich bin stolz auf euch», stammelt der Vater, «Denk an Jesus», bittet die Mutter), der Pfarrer segnend die Hand über ihren braunen Seitenscheitel hebt und sie schließlich Freund Christoph (Florian Stetter) und den bis zuletzt wachen, leuchtenden Bruder Hans (Fabian Hinrichs) in die Arme schließt, während ein sattes Streichorchester über dem Trio zusammenseufzt. Dann bleibt die Leinwand schwarz, nur Ton und Tränen laufen noch ein Weilchen weiter. ...
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