Selbstfolter
Nicht mit einer Verhaftung, mit einem Experiment beginnt Kafkas Roman auf der Bühne der Bochumer Kammerspiele, mit einem Experiment der Selbstfolterung. Josef K. setzt sich freiwillig der euphemistisch Waterboarding genannten Foltermethode simulierten Ertrinkens aus. Freiwillig geht er am Ende wieder auf das Folterbrett und schnallt sich fest, wie der Offizier am Ende von Kafkas Erzählung «In der Strafkolonie».
Waterboarding, eine in vielen Kriegen von vielen verwendete Methode zur Erpressung von Informationen, steht seit der Rechtfertigung durch Präsident Bush und der folgenden Debatte in den USA für die moralische Selbstkorrumpierung des Westens in der Auseinandersetzung mit dem Islamismus. Der tunesische Regisseur Fahel Jaibi mit der Erfahrung einer antidiktatorischen Revolution, die in islamistischer Herrschaft zu enden droht, scheint der richtige Mann zu sein, um Kafkas «Prozess» politisch zu deuten.
Freiwilliges Waterboarding als Rahmen für den «Prozess» – eine Interpretationshypothese. Josef K. findet weder das Gesetz noch sein Urteil, weil er selbst Teil des Systems ist. Ihm mangelt es einfach an Selbsterkenntnis. Er weiß nicht, dass er nicht nur Opfer, sondern auch Täter ...
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Theater heute Januar 2013
Rubrik: Chronik, Seite 47
von Gerhard Preußer
Mit dem Begriff «Fast Forward» verbindet ein Kind der 80er eigentlich die Vorspul-Taste am Kassettenrekorder, die für alles gebraucht wurde, was man in der Kunst eher nicht will: das Schlappe, das Album-Füllwerk zwischen den tollen Songs oder auch nur das zu oft Gehörte. Und wenn ein Festival für junge Regie mit ebendiesem Titel «Fast Forward» Assoziationen wie...
Die Liebenden sind austauschbar. (…) Die Reduktion der Person zum Liebespartner scheint mir das charakteristischste Merkmal dieses grausamen Traums zu sein. Und vielleicht das modernste Merkmal. Der Partner trägt keinen Namen mehr, er besitzt nicht mal mehr ein Gesicht. Er ist nur am nächsten.»
Seit Jan Kotts berühmt hellsichtiger «Sommernachtstraum»-Deutung aus...
Es geschieht nichts Aggressives, keine Gewalt, kein Blut, kein Sex, es ist nicht einmal besonders laut, und doch verlassen in dieser Szene immer wieder Zuschauer den Saal, weil sie es einfach nicht aushalten: Ein Mensch zählt, nichts weiter, aber das genügt. Es mag ein wenig verrückt klingen, aber diese Minuten in den Münchner Kammerspielen, in denen der leicht...
