Bodies und Buddys
Die Liebenden sind austauschbar. (…) Die Reduktion der Person zum Liebespartner scheint mir das charakteristischste Merkmal dieses grausamen Traums zu sein. Und vielleicht das modernste Merkmal. Der Partner trägt keinen Namen mehr, er besitzt nicht mal mehr ein Gesicht. Er ist nur am nächsten.
»
Seit Jan Kotts berühmt hellsichtiger «Sommernachtstraum»-Deutung aus dem Jahr 1970 hat es niemand treffender formuliert: In Shakespeares Verwechlungskomödie mit ihren neckischen Elfen, frechen Pucks und tölpelhaften Theaterhandwerkern steckt ein radikaler Materialismus, der die (ohnehin erst später dominante) romantische Idee von der Liebe als individuellem Erkennen und Bekennen ad absurdum führt. Zudem muss Kott Shakespeare unter dem Eindruck der sexuellen Revolution gelesen haben: die Utopie von der sexuellen Gerechtigkeit, die nicht zwischen sozialem Status und körperlicher Attraktivität unterscheidet, auf der einen – und die narzisstische Kränkung der Ersetzbarkeit auf der anderen Seite. Orgie versus Liebeskummer: Wer oder was gewinnt?
Perverse Elfen
Im Programmheft zum «Sommernachtstraum» am Hamburger Thalia Theater ist die klassische Kott-Passage natürlich abgedruckt. Doch auf der ...
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Theater heute Januar 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 9
von Eva Behrendt
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Prächtige barocke Giebelhäuser, die in ihren Bogengängen teure Läden beherbergen und ganzjährig Weihnachtsmarktatmosphäre ausstrahlen, Schwärme von Radfahrern auf mittelalterlichem Kopfsteinpflaster, junge Menschen, sogar zahlreiche Kinder, die sich im Sommer auf den grünen Stadtringen tummeln. So viel heitere und heile Welt findet man selten. Die Kriterien, die...
Wenn es an diesem Abend tatsächlich um «Tilla» gegangen wäre, nämlich um die große Schauspielerin Tilla Durieux, dürfte man durchaus erbost sein. Sie gehörte zur Schauspieleravantgarde des 20. Jahrhunderts, hat in den 20er Jahren Piscators Experimentier-Volksbühne mitfinanziert und musste mit ihrem dritten Mann, dem jüdischen Kaufmann Ludwig Katzenellenbogen, 1933...
