Schwarz spielt weiss
Jeden Moment hätte Markus Luchsinger um die Zeltecke biegen können – so empfanden manche Weggefährten und Festivalhabitués beim diesjährigen Theaterspektakel. Der Theatermacher, der zwischen 1990 und 2001 dem von Alternativkultur und Straßentheater geprägten Sommerfestival am Zürichsee internationales Ansehen verschafft und es zum attraktiven Koproduktionspartner entwickelt hatte, war Anfang August mit 54 Jahren völlig unerwartet im Südfrankreichurlaub gestorben.
Das Spektakel erinnerte in einer späten Andachtsstunde an den zurückhaltenden Zürcher mit dem verschmitzt schiefen Lächeln. Partner und Kollegen, von ehemaligen Spektakelmitarbeitern bis hin zum Zürcher Kulturchef Jean-Pierre Hoby, würdigten Luchsinger als selten uneitlen, klugen und integren Theaterermöglicher, der seine Vorlieben und Überzeugungen gleichwohl mit größter Zielstrebigkeit verfolgt habe. Tatsächlich war Luchsinger, als er nach zwölf Jahren Spektakelleitung bei den Berliner Festspielen 2002 die «spielzeiteuropa» konzipierte und etablierte, für die laute Hauptstadt wohl einfach zu leise geblieben – nicht künstlerisch, sondern als Selbstdarsteller. Umso stärker leuchtete seine Arbeit seit 2006 wieder vom ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Noch nicht geboren, neu geboren oder ganz klein waren wir, als unsere Eltern die Teheraner Straßen eroberten und Hand in Hand schrieen: Unabhängigkeit, Freiheit, Islamische Republik – die haben sie bekommen.
Acht Jahre heiliger Krieg mit Irak ist eng an unsere Kindheit geknüpft: Mama, was ist Krieg? – Es gibt Feinde, die uns unser Land nehmen wollen. Wir müssen...
Vier Männer stehen dicht beieinander auf einem Bürgersteig in Teheran und reden über die bevorstehende Wahl. Einer der Männer beugt sich vor, unterstreicht mit heftiger Geste seine Worte. Seine Gesprächspartner blicken skeptisch, auf dem Sprung, ihm zu widersprechen.
Zwei Tage nach der Präsidentschaftswahl rollt ein Laster über einen belebten Platz im Norden...
Der Schriftsteller hört in einer bekannten sonntäglichen Rundfunksendung seine Gedichte und fasst seine tiefe Bewegung in die lapidare Feststellung: «Traugott Buhre sagt mir, dass ich doch ein Dichter bin.» So berichtet Thomas Bernhards Bruder, als dieser Traugott Buhres Lesung der Gedichte «In hora mortis» im österreichischen Rundfunk gehört hatte. Das war vor 20...
