Lebenslängliche Theaterkerkerhaft

Eine Rede auf Traugott Buhre, gehalten in der Dorfkirche Berlin-Lichterfelde am 6. August 2009

Theater heute - Logo

Der Schriftsteller hört in einer bekannten sonntäglichen Rundfunksendung seine Gedichte und fasst seine tiefe Bewegung in die lapidare Feststellung: «Traugott Buhre sagt mir, dass ich doch ein Dichter bin.» So berichtet Thomas Bernhards Bruder, als dieser Traugott Buhres Lesung der Gedichte «In hora mortis» im österreichischen Rundfunk gehört hatte. Das war vor 20 Jahren.

 

Thomas Bernhards ergriffene Bemerkung, wenige Wochen vor seinem Tod geäußert, beschreibt auf eigentümliche wie präzise Weise Traugott Buhres außerordentliche und seltene Schauspielkunst.

Sein schauspielerisches Denken forschte nach dem Dichter, nach der Botschaft des Dichters, forschte nach dem Kern der Dichtung, nach dem lyrischen wie nach dem dramatischen Herzen eines poetischen Werkes.

 

Er wäre jetzt, weiß Gott, ein beredter Zeuge in der aktuellen Debatte über Sinn und Unsinn des sogenannten Regietheaters, über den Begriff der sogenannten Werktreue, über das Prinzip der künstlerischen Verantwortung, denn Traugott Buhres Fantasie war nicht willkürlich, sie kam aus der Genauigkeit. In einem längeren Gespräch mit Vera Sturm – es ist ein für das demnächst erscheinende Buch zu einer Thomas-Bernhard-Ausstellung in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Oktober 2009
Rubrik: Akteure, Seite 38
von Hermann Beil

Vergriffen
Weitere Beiträge
Schwarz spielt weiss

Jeden Moment hätte Markus Luchsinger um die Zeltecke biegen können – so empfanden manche Weggefährten und Festivalhabitués beim diesjährigen Theaterspektakel. Der Theatermacher, der zwischen 1990 und 2001 dem von Alternativkultur und Straßentheater geprägten Sommerfestival am Zürichsee internatio­nales Ansehen verschafft und es zum attraktiven Koproduktionspartner...

«Mich interessiert nur die Antwort durch dein Spiel»

Peter Zadek habe ich, ehrlich gesagt, so kennengelernt: Es gab ein Gastspiel des Hamburger Schauspielhauses mit «Othello» in Stuttgart in den 70ern, als wir noch mit Claus Peymann dort waren. Und so eine Art von Theater hatte ich noch nie in meinem Leben gesehen. Ich war völlig begeistert, um nicht zu sagen geschockt, weil ich dachte: Hier sind gar keine...

Innen und außen

TH Claudius Lünstedt, wie kommt man als deutscher Theaterautor nach Teheran?

Lünstedt Meine erste Reise dorthin habe ich 2005, vor ziemlich genau vier Jahren, aus reiner Neugier unternommen. Mich hat interessiert, ob das einseitige und schreckliche Bild, das die meisten Medien vom Iran zeichneten, der Realität entsprach. Ich hatte damals gerade im Rahmen eines...