Ratten im Polit-Betrieb
Erfolg hat Folgen, gewollt oder nicht – sämtliche Komplikationen der Münchner Uraufführung schleppen auch die folgenden Versuche am jüngsten Stück des Schweizer Dramatikers als Last mit sich herum. Das ist kein Wunder, denn die Konstruktion des Textes erschwert jeden ernsthaft neuen Blick.
Die Nachspiele von Florian Fiedler im Ballhof des Hannoverschen Schauspiels und Bettina Bruinier in der Kammer-Box des Deutschen Theaters in Berlin arbeiten sich vor allem an den zentralen Polit-Figuren ab: am Kandidaten Simon Korach und an der strippenziehenden Kanaille, die hier nicht Franz heißt, sondern Franzeck.
Der trat ja das ganze Desaster los, als er Peter, dem Sohn des braven Simon Korach, der gerade Bürgermeister werden will oder Landrat oder etwas in der Richtung, den Zweifel an der eigenen Vaterschaft einpflanzte; aus Neid, weil er selbst gern Sohn wäre (vom alten Korach) und Vater: mit Agnes, Peters Frau. Während in Berlin Gabor Biedermann genau den idealen Typ des schlanken, schmucken, herzeigbar fleckenfreien Funktions-Idioten und Spin-Doctors darstellt, mit dem sich die höheren Chargen der Politik gern als Helferlein umgeben, geht Matthias Buss in Hannover schon eher als der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Die Menschen verstehen nicht, sich der Möglichkeiten ihres Körpers zu bedienen. Ja, nicht genug damit: Sie sind noch nicht einmal imstande, ihn in Ordnung zu halten und weiterzubilden. Schlaffe Muskeln, ein verkrümmtes Rückgrat, falsche Atmung sind gewohnte Erscheinungen im täglichen Leben. Das alles sind Folgen der Unfähigkeit, unseren Körper richtig zu...
Bevor Miles Davis noch einmal zur Trompete greifen darf, endet Alfred Anderschs Hörspielmontage «Der Tod des James Dean» mit markigen Worten: «Verstummen muss das Gequatsche von der Schönheit» – ein verkappter Imperativ der Beatgeneration, die sich noch ein letztes Mal vor ihrem Idol verbeugt: «Alles was er gesagt hat, war rauh. Einfach rauh.» 1959, als man rauh...
In dem hübschen Paradiesgarten, den Andreas Kriegenburg auf der Bühne des Thalia Theaters hinter schweren Käfigwänden angelegt hat, geht es mächtig zur Sache. Unter blühenden japanischen Kirschbäumchen, die sich dekorativ von der blutroten Wand abheben, wickelt sich eine junge Geisha (Katharina Behrens) zu rauen Frauengesängen aus ihren Schärpen und löst ihr...
