Politische Fragen

Bürgerliche Haupstadttheater heben den aufkeimenden Nationalsozialismus auf die Bühne: David Bösch zeigt Luchino Viscontis «Die Verdammten» im Berliner Ensemble, Thomas Ostermeier bearbeitet Ödön von Horváths «Italienische Nacht» in der Schaubühne

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Sollte man nicht auf die Popularität rechtsextremer Parteien in Deutschland in den Spielplänen der öffentlichen Theater reagieren? Sollte man nicht an Zeit und Umstände des aufkommenden Nationalsozialismus in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts erinnern? Und was wäre dafür geeigneter als beispielsweise eine Bühnenfassung von Luchino Viscontis Monumentaldrama «Die Verdammten» von 1968 um die Selbstzerfleischung einer Dynastie von Ruhrbaronen und Waffenschmieden, die sich den Nazis erst angedient haben und dann von ihnen zerlegt wurden? Kapitalismus und Faschismus im mörderis

chen Gleichschritt – was soll da schiefgehen?

Aufstieg und Fall derer zu Essenbeck, locker nachgestrickt der Krupp-Familiensaga, verschränkt drei Ebenen: das Psychogramm eines in Intrigen, Karrieren und emotionalen Abhängigkeiten verstrickten Industriellen-Clans, Hitlers gewaltsamen Aufstieg mit Reichstagsbrand und SA-Massaker sowie einen nicht ganz unspannenden Wirtschaftskrimi über die Abhängigkeiten von Politik und Waffengeschäft. Dabei ist das eine vom anderen nicht zu trennen, was die Zuständigkeiten etwas vermischt: Ist der Aufstieg des Faschismus ein Problem der Essenbeckschen ...

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Theater heute Januar 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Franz Wille

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Düsseldorf: Liebe, Männer

Am Anfang war das patriarchalische Paradies. Schreiber Licht sorgt für Helligkeit am Sicherungskasten, Ruprecht repariert den Kühlschrank, Frau Marthe rupft ein Huhn, und Richter Adam thront mit Allongeperücke und Talar in der Mitte. Die Vögel zwitschern, und die Hähne krähen. Und aus Adams Talar schlüpft Eve, spärlich bekleidet, hervor und schmiegt sich an ihn....

Ausstellung: Der Maler als Regisseur

Zu ikonischer Prominenz hat es vermutlich nur der «Nachtmahr» gebracht. Das Gemälde, das ein kompaktes braunes Teufelchen auf der Brust einer etwas überstreckt dahingegossenen Schlafenden zeigt, flankiert von einem Rappenschädel mit glimmenden Augen, gilt als ein Vorzeigekunstwerk der Gothic Art. Tatsächlich täte man Johann Heinrich Füssli, dem Schweizer Schöpfer...

Darmstadt: Im Schleudersitz

So betulich der Abend anhebt, mit versunkenen Fachgesprächen unter Literaturkritiker*innen, so abgedreht endet er: in einem eindringlichen Schwur auf die Azteken, die einer jungen Mexikanerin mehr bedeuten als Gott und Elternhaus. Denn Roberto Bolaños tausendseitiger Monumentalroman «2666», postum 2004 erschienen, gleicht einer Geisterbahnfahrt: Im Schleudersitz...