Nonstop Nonsens

Bonn: Juli Zeh «Nullzeit» nach Rainer Werner Fassbinder «Welt am Draht»

Theater heute - Logo

«Nullzeit», da ist sich Jola sicher, «ist die Zeit, die man unter Wasser verbringen darf.» Was so nicht stimmt, weshalb Tauchlehrer Sven sofort korrigiert: «Nullzeit ist die Zeitspanne, die ein Mensch in bestimmter Tiefe tauchen kann, ohne sich bei der sofortigen Rückkehr an die Oberfläche einen runterzuholen.» Äh, Moment. Das war jetzt ein Freudscher Versprecher, hihi. Sie: klimper klimper. Er: starr, glotz, stotter.

Fernsehsternchen Jola ist mit ihrem Macker Theo nach Lanzarote gereist, um bei Sven und Antje tauchen zu lernen, für ein Casting für die Rolle der Tauchpionierin Lotte Hass. Die Amour fou, die sich da bald zwischen Jola und Sven entwickelt, mündet im Roman von Juli Zeh in einen mörderischen Thriller-Strudel. Die Bühnenfassung von Bernhard Studlar, der auch schon Zehs «Spieltrieb» adaptierte, macht sich daraus einen flotten Inselurlaubsspaß. Und Sebastian Kreyer inszeniert nach dem «Wenn schon, denn schon»-Prinzip: nonstop Nonsens.

Alles ist Parodie: Sven und Antje geben die Animationsdödel vom Dienst («Wir duzen uns hier alle») und vertanzen die Hausordnung zu «La Isla Bonita». «Heiß! Heiß! Heiß!», tischt Antje die, ähem, Salatschüssel auf. Später tritt sie verkleidet ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2014
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Vasco Boenisch

Weitere Beiträge
Sachgerecht übergestreift

Mein Pass weist mich aus als Bürgerin des Königreichs Ros-u, das bezeichnenderweise ein über seine Nabelschnur tief im Erdreich verwurzeltes Ferkel in seinem Wappen trägt. Die armen Bewohner huldigen einem archaischen Fruchtbarkeitskult, Anhänger anderer Religionen werden diskriminiert und verfolgt. Vermutlich alles Gründe dafür, dass ich, 54, weiblich, meine...

Keine Zukunft ohne Vergangenheit

Demenz, erklärt der hypermotorische Psychiater Dr. Szatmáry eingangs dem Publikum, sei eine Krankheit, bei der das Gehirn vom Nichts gefressen werde. Ein Zustand wie in Ungarn, fügt er sarkastisch hinzu: «Keine Vergangenheit, keine Zukunft.»

In seiner schrägen Gesellschaftsparabel «Dementia, or the Day of My Great Happiness» behan­delt der ungarische Regisseur...

Fragen der Politik

Zu den großen Selbstzweifelfragen des an Selbstzweifeln aktuell nicht armen deutschen Stadttheaters gehört diejenige, wie viel politische Realität unsere Repertoirestücke eigentlich noch atmen, wie sehr sie über die Grenzen des Theaterraums hinausdrängen, wie stark sie in aktuelle Belange hineinlauschen und, bewahre, vielleicht gar zurückstrahlen. Auf ähnlich...