Nach dem Ende
Die Welt, wie wir sie kennen, wird eines Tages zugrunde gehen. Wir verdrängen das dauernd, sonst könnten wir keinen Tag überstehen. Aber wahrscheinlich faszinieren und verstören uns deshalb apokalyptische Szenarien so sehr: Endzeitparabeln tauchen in Theater, Literatur und Film in den letzten Krisenjahren häufiger auf, apokalyptische Reiter in unruhiger Zeit. Sie sind ein Flirt mit der Todessehnsucht nach dem jüngsten Gericht, dem großen dramatischen Untergang.
Wenn es Autoren gelingt, jenseits des Genre-Stücks eine ganze Welt nach der Welt atmosphärisch dicht und eindringlich zu entwerfen, erzeugen sie ein anziehend-abstoßendes Grauen. Sie führen uns unsere Vergänglichkeit vor Augen. Eine wirklich faszinierende, beklemmende, packende Apokalypse wie «Zwischen den Dingen sind wir sicher» aber erfasst aktuell bestehende Zustände im Kern, um sie radikal zu Ende zu denken.
Im sicherlich bis jetzt düstersten Stück der jungen Autorin Laura Naumann, der es ja immer brillant gelingt, Gesellschaftszustände oder Generationenbilder in ungewöhnlicher Form und ohne Klischees schillern zu lassen, ersteht die Vision einer entseelten Welt ohne sozialen Zusammenhalt, ohne Empathie und ohne ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 173
von Kathrin Mädler
Die erste Entscheidung war die schwierigste: einem Stück den Titel «Adolf Hitler: Mein Kampf, Band 1&2» zu geben. Als die Uraufführung näherrückte, kamen Anrufe von Journalisten, auch aus dem Ausland. «Rechnen Sie mit einem Skandal?» – «Nö.» – «Aber das wird doch sicher Wellen schlagen, gibt es schon Gegenwind?» Antwort: «Nö.»
CNN hatte sich zum Filmen angemeldet,...
Impressum
Die Theaterzeitschrift
im 57. Jahrgang
Gegründet von
Erhard Friedrich und Henning Rischbieter
Herausgeber
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
Redaktion
Eva Behrendt
Barbara Burckhardt
Franz Wille (V.i.S.d.P.)
Redaktionsbüro
Martin Kraemer
Gestaltung
Christian Henjes
Designkonzept
Ludwig Wendt Art Direction
Redaktionsanschrift
Nestorstr. 8–9, 10709...
Szene acht
Am nächsten Tag.
Derselbe Raum.
Bashir und Nick. An den Tischen. Nick erklärt. Bashir hört zu und reagiert. Computer
aufgeklappt vor ihm.
Nick Das Wichtigste am Geld ist, dass die Menschen es nicht gern verlieren, Bashir. Die Menschen, die Firmen, die Regierungen.
Also suchen sie immer nach einem sicheren Ort dafür. Siebzig Jahre lang war der sicherste...
