Mehr Wumms
Mit einem «Wumms» durchbricht eine Straßenbahn die Kartonwand, auf der gerade noch eine Projektion flimmerte, und das Fahrzeug wird zum Projektil, mit dem die Schauspieler erstmal das Bühnenbild zusammenfahren. Es rollt also wieder eine Tram durch das ehemalige Straßenbahndepot an der Bockenheimer Warte, eine Straßenbahn namens Sehnsucht. «Desire» steht auf den Flanken des Vollholzgefährts. Zum zweiten Mal inszeniert René Pollesch nun am Schauspiel Frankfurt, und den Titel kann man sich auf der Zunge zergehen lassen: «Je t’Adorno» wie «Je t’adore», «Ich verehre dich».
Unweit des Depots hat der Kopf der Frankfurter Schule residiert, im Institut für Sozialforschung. Das Titelversprechen bleibt jedoch leer: Theodor W. Adorno ist bloß eine Randfigur, verpackt in einige Anekdoten und etwas Lokalkolorit.
Zweierlei ist Sport geworden im Pollesch-Gucken. Erstens: Seine in Serie verfassten Stücke, in denen sich Themen in Variationen fortschreiben, als Temperaturfühler der Gegenwart zu lesen: Wo sind wir? Und zweitens: Wie findet sich das jeweilige Ensemble im Pollesch-Universum zurecht – vor allem außerhalb Berlins? Arbeiten Schauspieler doch tagtäglich in einem Repräsentationssystem, das ...
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Theater heute Mai 2014
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Esther Boldt
Es fließt. Alles irgendwie. Und das in einer Stadt, in der sonst auch ziemlich viel steht – vor allem Autos im Dauerstau. Aber zumindest im Schauspielhaus ist gerade Fluxus und damit Bewegung angesagt. Schorsch Kamerun, Punkaltmeister und Antiautoritätskünstler, hält Hof. In blauer Zirkusdirektorenuniform domptiert er für seine «Fluxus-Konzertinstallation» eine...
2./Freitag
20.15, arte: Die Spiegel-Affäre
Fernsehfilm (2013) von Johannes W. Betz, Gabriela Sperl und Stefan Aust,
mit Sebastian Rudolph, David Rott, Johann von Bülow, Max Hopp u.a., Regie Roland Suso Richter (am 7. Mai bei der ARD)
3./Samstag
20.15, 3sat: Starke Stücke beim Berliner Theatertreffen: Zement von Heiner
Müller, mit Valery Tscheplanowa, Sebastian...
Das Stück, mit dem Peter Handke 2012 zum ersten Mal in seiner langen Karriere den Mülheimer Dramatikerpreis gewann, ist ein großes Kopftheater, in dem der Dichter die Geschichte seiner Familie inszeniert. Das Stück ist kein Drama, sondern eine lange Ich-Erzählung; so etwas wie dramatische Spannung erzeugt der Regisseur Handke vor allem durch einen kühnen...
