Männer!

Jon Fosse: «heiss»

Theater heute - Logo

Das Stück «heiß» besitzt eine so eigentümliche und konsequente Konstruktion, dass man sich ihr mit einer Logik von Außerirdischen nähern möchte. Nehmen wir an: Die Außerirdischen könnten das Leben auf der Erde aus einem beliebigen Detail hochrechnen, ohne jede Hintergrundinformation.

Sie hätten von unserer Zivilisation ein Photo vorliegen, zwei ungefähr gleichaltrige Männer und eine Frau in einem Badeanzug vor einem Haus am Meer – und sie hätten ein Verfahren entwickelt, dieses Photo zum Sprechen zu bringen: Alle Elemente auf dem Photo werden mit den gleichen Sprachkräften ausgestattet. Jedem Element wird der sprachliche und gestische Raum zugewiesen, der seinem Vorkommen im Bild entspricht. Jedes Element bringt seine Position maximal ökonomisch ein. Das schafft einen geringen Spielraum, der mit Hilfe des außerirdischen Rechners nahezu unendliche Kombinationen erlaubt. Niemand verlässt den Raum dieses Photos, nichts wird hinzugefügt, jedes Element variiert seine Möglichkeiten nach der Logik der Verhaltensweisen, die die Außerirdischen im Kern unseres Wesens festgestellt haben. 

 Zwei einsame Männer stehen auf einem Kai. Sie haben vergessen, wie alt sie sind, sie wissen nicht mehr, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2005
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 144
von Karl Baratta

Vergriffen
Weitere Beiträge
Was kommt danach?

Belbels frühes Stück aus dem Jahre 1989 «In Gesellschaft von Abgrund» theatralisiert die Spanne zwischen dem Anfang und dem Ende eines Satzes als Abgrund zwischen zwei Menschen. Sein vorerst letztes Stück, «Wildfremde», uraufgeführt im September 2004 in Barcelona, schickt Vertreter zweier Generationen auf eine Zeitreise: Übergangslos beamt der Autor als...

Wörter-See

Der Wunsch, einen eigenen Tod zu haben, wird immer seltener. Eine Weile noch, und er wird ebenso selten sein wie ein eigenes Leben. Man stirbt, wie es gerade kommt; man stirbt den Tod, der zu der Krankheit gehört, die man hat (denn seit man alle Krankheiten kennt, weiß man auch, dass die verschiedenen letalen Abschlüsse zu den Krankheiten gehören und nicht zu den...

Deutsche Szenen

In diesem Wahljahr, das von sich lange gar nicht wusste, ob es ein solches werden würde, hat sich die darstellende Zunft mit einem Deutschland beschäftigt, das auch nicht immer so genau weiß, was aus ihm werden soll. Liegt ja nahe. Und dass man in Theater oder Kino einiges über das Land erfahren kann, in dem man lebt, ist auch kein schlechtes Zeichen. Über die zwei...