Was kommt danach?
Belbels frühes Stück aus dem Jahre 1989 «In Gesellschaft von Abgrund» theatralisiert die Spanne zwischen dem Anfang und dem Ende eines Satzes als Abgrund zwischen zwei Menschen. Sein vorerst letztes Stück, «Wildfremde», uraufgeführt im September 2004 in Barcelona, schickt Vertreter zweier Generationen auf eine Zeitreise: Übergangslos beamt der Autor als «Konstrukteur von Geschichte» seine Figuren auf die nächst höhere Zeitebene und wieder zurück. Er bewahrt dabei den distanzierten Blick des Naturwissenschaftlers für den Fortgang einer Untersuchung.
Der Anfang des Stückes nimmt zugleich das Ende vorweg: Eine Wohnung wird verkauft. Schauplatz ist das bürgerliche Wohnzimmer. Die Mutter, einst Hauptakteurin auf dieser ihrer Bühne, stirbt vor der Zeit. Mit ihr geht ein Imperium zugrunde, ein Jahrhunderte altes Wertesystem. Im Angesicht des Todes zieht die Sterbende die Lügen, mit denen die Familie sich umgeben hat, ab wie Schonbezüge. Aus ihrem von Geschwüren zerfressenen Körper bricht der Hass auf den Schwiegervater, die Wut auf die unangepasste Tochter und der Ekel vor dem schwulen Sohn. Sie offenbart zu spät, was keiner hören will, verfehlte Liebe und verfehltes Leben, und klammert ...
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Theater heute Jahrbuch 2005
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 142
von Heike Müller-Merten
Das Ende der Arbeit beginnt dort, wo die menschliche Arbeitskraft durch Maschinen ersetzt wird. Auch in Rinkes neuem Stück aus der Welt der Arbeitslosen gibt es dieses klassische Modell einer technischen Innovation, die menschliche Arbeit überflüssig macht: Der Nummernautomat in Rinkes Arbeitsamt wird umgerüstet zu einer Voicemailbox, die im Laufe der Zeit auch die...
Als der englische Bankier Henry Hoare in den Jahren nach 1740 seinen Traum einer heroischen Idylle ohne Wiederkehr in der Park- und Seenlandschaft von Sourhead zu verwirklichen begann, gehörte der Bau einer aus mehreren Höhlen errichteten Grotte zu diesem Entwurf eines künstlichen Paradieses. Eine Welt wie vom Anbeginn der Zeiten, als die Menschen noch mit den...
Soeben hat sich der feine ältere Herr, der aus dem Kaukasus kommt und dessen türkischen Namen sich vorerst niemand merken kann, in Positur gestellt auf der Gartenbank im kleinen grünen Park des Sankt-Gertrauden-Krankenhauses in Berlin. Und auch die anderen nehmen fremde Haltungen an: Der alte Fritz zum Beispiel spielt – na klar! – den «Alten Fritz», und Carmen im...
