Leben im Schnelldurchlauf
«What are you looking at?», fragte der Leuchtkasten am lebensgroßen, rundum einsehbaren und von innen blickdicht verspiegelten Terrarium, in dem sich das Gob-Squad-Kollektiv beim Festival «reich & berühmt» im Jahre 2000 stundenlang selbst exponierte − als lebendes Tableau beim Dinner, mit schwarzer Netzstrumpfhose auf dem Flokati oder in tanzseliger Partystimmung: angewandte Theaterkritik des (medialen) Voyeurismus.
Im HAU 1 nun rückt das so simple wie kluge Setting «Before your eyes» in Bühnendistanz und präsentiert ein völlig neues Innenleben: Den durchsichtigen, aber selbst blinden Guckkasten bespielen nun sieben 8- bis 14-jährige belgische Kinder, und der Abend verspricht mit der charmant selbstironischen Geste eines bekannten Zaubertricks «a rare and magnificent opportunity to witness seven lives lived in fast forward …». Zu hören ist eine ungemütlich klare, freundlich unbeteiligte Bestimmerstimme, die die niedlichen Exponate im Zauberwürfel in ein Leben als Erwachsene hineinkommandiert. Und bei dieser lebensnahen Versuchsanordnung greift Gob Squad diesmal nicht nur zu Kamera und Videoscreens, sondern auch ganz tief in die Theaterklamottenkiste.
«Don’t stop me now. I’m having ...
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Theater heute Juni 2011
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Anja Quickert
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Um die Droge auf ihren Reinheitsgehalt zu prüfen, ist eine Anfrage beim Nüchternsten geraten: beim Erzähltheoretiker des Realismus, Friedrich Spielhagen. Der setzte ab etwa 1860 in lebenslangem Kampf auseinander, wie ästhetisch peinlich es ist, wenn sich Erzähler erläuternd ins dargebotene Geschehen einmischen. Wer etwa sage «Hier sehen wir unseren Helden», gebe...
