Kuratorenkunst: Krisen-Screening

Das Goethe-Institut präsentiert zusammen mit den Münchner Kammerspielen das Festival «Europoly»

Theater heute - Logo

Europa knirscht in seinen Grundfesten. In Brüssel und an den diversen Binnen- und Außengrenzen wird immer hektischer daran gearbeitet, die inneren Fliehkräfte, die es zu zerreißen drohen, und den Ansturm der Hilfesuchenden von außen noch irgendwie zu harmonisieren. Grund genug, auch in der künstlerischen Praxis nach stabilisierenden Zwischenböden zu fahnden, weshalb sich das Goethe-Institut bereits seit Längerem um die strukturelle Vernetzung europäischer Künstler unterhalb der Ebene der großen internationalen Festivals bemüht.

Nachzufragen, wie freie Künstler(-kollektive) als früh in Mitleidenschaft gezogene Seismografen der Gesellschaft die Auswirkungen der europäischen Krise wahrnehmen und wie sie ihr begegnen, war denn auch der Ansatzpunkt für das von den Kuratorinnen Anna Mülter und Dorothee Wenner zusammen mit den Münchner Kammerspielen, dem Onassis Cultural Center Athen, dem Sirenos-Theaterfestival Vilnius, dem Teatro Maria Matos Lissabon und dem Tiger Dublin Fringe über drei Jahre entwickelte Kleinfestival «Europoly», das nun zunächst mal in München zu sehen war.
Die Eröffnungsproduktion «Clean City» aus Athen zeigt denn auch gleich, wie interkultureller Transfer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2016
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Silvia Stammen

Weitere Beiträge
Ein manifestes demokratisches Problem

Meine Leitfrage ist: Bewegen wir uns 25 Jahre nach dem Ende der bipolaren Weltordnung und nach der dazwischenliegenden Periode, die von vielen Theoretikern auch als neue Weltunordnung bezeichnet wurde, wieder auf einen dominanten Dualismus zu? Meine Hypothese ist, dass diese neue bipolare Bruchlinie sich in den Innenraum der europäischen Gesellschaften verlagert...

Dramatische Kulturtechniken

So ein zeitgenössischer Theaterautor hat es wirklich nicht leicht heutzutage. Da kommt man in eine Stadt, von der man nicht viel kennt außer Bahnhof, Theater und einem mittelschlechten Vertreter-Hotel auf halbem Weg dazwischen, soll ein möglichst zugkräftiges Stück mit intensivem Ortsbezug entwickeln und dabei auch noch schlauer als alle anderen sein. Nämlich...

Bonn: Ertappt!

Es ist die westliche Bühnen-Universalkeule für alle Fragen von Aufklärung und Religionstoleranz: Kaum ein Stück wurde nach dem 11. September in Deutschland häufiger gespielt als Lessings «Nathan der Weise». Volker Lösch thematisiert listig die Schwierigkeiten eines Textes, der seit Jahrhunderten als Bollwerk der westlichen Aufklärung behandelt wird und von dem...