Bonn: Ertappt!
Es ist die westliche Bühnen-Universalkeule für alle Fragen von Aufklärung und Religionstoleranz: Kaum ein Stück wurde nach dem 11. September in Deutschland häufiger gespielt als Lessings «Nathan der Weise». Volker Lösch thematisiert listig die Schwierigkeiten eines Textes, der seit Jahrhunderten als Bollwerk der westlichen Aufklärung behandelt wird und von dem sogar Navid Kermani mal sagte: Auf deutschen Bühnen werde mit ihm die «Toleranz verwestlicht», sprich: eine eurozentristische Form der Aufklärung propagiert.
Mitten im Publikum steht ein eifrig-westlicher Prototyp-Aufklärer auf: Der Lehrer (Glenn Goltz) deklamiert alle islamistischen Terror-Attentate seit 9/11 herunter und dringt tatsächlich tief in die Ängste des europäischen Mittelstandsbürgers ein – dem es tatsächlich nicht egal sein kann, wenn sich die Polizei nicht mehr nach Bonn-Tannenbusch traut, jener «Islamistenhochburg», in der zehn Prozent der von Deutschland ausgereisten IS-Kämpfer rekrutiert wurden. Auf der Bühne wartet auf ihn bereits eine Schulklasse von zwölf jungen muslimischen Bonner Jugendlichen, sechs Frauen, sechs Männer: wache, «hybride» Einwandererkinder der 2. und 3. Generation aus Syrien, Iran, der ...
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Theater heute April 2016
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Dorothea Marcus
Das Stück «Drei sind wir» von Wolfram Höll aus der aktuellen Ausgabe ist im Browser nicht darstellbar. Abonnenten, die das Stück digital lesen möchten, schicken bitte eine E-Mail an: kontakt@der-theaterverlag.de. Wir senden Ihnen dann das Stück als PDF-Dokument zu.
Garantiert anspielungsfrei, aktualitätsresistent und gegenwartsabstinent ist diese Aufführung. Keine Wirtschaftskrise, kein Dschihad und kein Flüchtling trübt die grundschwarze Bühne. Das Spiel kreist, meist aufgeregt, um sich selbst. Natürlich stellt man sich, als Kritiker zumal, bedenklich die Frage, was das soll.
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Wie stellen sich die Theater den Zumutungen der Tagesaktualität? In der Flüchtlingskrise wird die Infrastruktur der Stadttheater an vielen Orten genutzt, um politische Diskussionen zu organisieren. Das Schauspiel Köln wählt einen Mittelweg zwischen Kunst und Politik: Nach dem Debattenfeuilleton kommt das Debattentheater.
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