Dramatische Kulturtechniken
So ein zeitgenössischer Theaterautor hat es wirklich nicht leicht heutzutage. Da kommt man in eine Stadt, von der man nicht viel kennt außer Bahnhof, Theater und einem mittelschlechten Vertreter-Hotel auf halbem Weg dazwischen, soll ein möglichst zugkräftiges Stück mit intensivem Ortsbezug entwickeln und dabei auch noch schlauer als alle anderen sein. Nämlich selbstverständlich voll auf der Höhe der angesagten Kunst-, Medien- und Gesellschaftsdiskurse schweben und dabei glaubwürdig und natürlich auch kritisch bleiben, aber bitte kompromisslos und karriereverachtend kritisch.
Das alles termingerecht und möglichst dreimal im Jahr, denn von einem Stückauftrag allein kann niemand leben. Bei Nichtlieferung hat das Theater schon den Anwalt bei der Hand, der dem verträumten Schreiberling in seiner Berliner Szeneklause Beine macht oder wenigstens den Vorschuss wieder einkassiert.
So oder ähnlich darf man sich das beschwerliche Leben des «Unsicher wirkenden jungen Mannes» vorstellen, der in Nis-Momme Stockmanns neuem Stück «Amerikanisches Detektivinstitut Lasso» in Hannover als schüchternes Autor-Alter-Ego durchs Theater und das nahegelegene Hotel am Thielenplatz schleicht und mit ...
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Theater heute April 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 24
von Franz Wille
Wie stellen sich die Theater den Zumutungen der Tagesaktualität? In der Flüchtlingskrise wird die Infrastruktur der Stadttheater an vielen Orten genutzt, um politische Diskussionen zu organisieren. Das Schauspiel Köln wählt einen Mittelweg zwischen Kunst und Politik: Nach dem Debattenfeuilleton kommt das Debattentheater.
Ein Katarakt von rasenden Bildern mit...
Die Zombifizierung des Menschen im Maschinenzeitalter ist länger schon ein Thema für Claudia Bauer. In Dortmund setzte die Regisseurin Fassbinders «Welt am Draht» um. In Leipzig ließ sie jüngst für Wolfram Hölls «Und dann» Puppenmenschen wie von Radiowellen gesteuert durch ein surreales Erinnerungshaus schlurfen. Unter Pinocchiomasken.
Es ist gefühlt kein weiter...
Es ist die westliche Bühnen-Universalkeule für alle Fragen von Aufklärung und Religionstoleranz: Kaum ein Stück wurde nach dem 11. September in Deutschland häufiger gespielt als Lessings «Nathan der Weise». Volker Lösch thematisiert listig die Schwierigkeiten eines Textes, der seit Jahrhunderten als Bollwerk der westlichen Aufklärung behandelt wird und von dem...
