Kulturpolitik: Kölner Intendanz-Karneval
Am Ende ist doch immer wieder erstaunlich, wie viel kulturpolitisches Vertrauensporzellan in kurzer Zeit von entschlossenen Akteur*innen zerschlagen werden kann. Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker hatte im Einvernehmen mit der örtlichen Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach und beraten vom pensionierten Bühnenvereinsdirektor Rolf Bolwin einen echten Überraschungscoup gelandet.
Als neuer Intendant des Kölner Schauspiels wurde in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz Carl Philip von Maldeghem stolz präsentiert, der über Salzburg hinaus weitgehend unbekannte und künstlerisch unauffällige Chef des dortigen Landestheaters. Er wurde den Kölnern, die vor ihm mit Karin Beier und jetzt mit Stefan Bachmann überregional profiliertes und umworbenes Personal gewohnt waren, mit einem bunten Strauß an Phrasen («innovativer Regisseur», «internationale Kontakte», «kreative Allianzen») empfohlen, die in der umwerfenden Erkenntnis gipfelten, dass das Theater den Menschen gehöre.
Die erste Überraschung bei Presse und Öffentlichkeit schlug bald in offene Empörung über eine unverständliche Entscheidung um. Spätestens als der Kölner Autor Navid Kermani eine «Demütigung» für ...
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Theater heute März 2019
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Franz Wille
Geschichte, wie sie Alexandre Dumas Mitte des 19. Jahrhunderts verstand, war «der Nagel, an dem ich meine Romane aufhänge». Die Folge: Nirgends flatterten die Mäntel kühner als beim Graf von Monte Christo, nirgends klirrten die Degen spektakulärer als bei den Musketieren. Der Nagel für «Die Bartholomäusnacht» hat allerdings deutlich Rost angesetzt; an ihm allein...
Vierrädrige Blechkisten mit Eigenantrieb durch Verbrennungsmotor – sogenannte Autos – sind nicht nur mobile Freiheitsversprechen, Dreckschleudern, Statussymbole oder gar Anlässe zur Freude am Fahren. Das immer noch erfolgreiche Fortbewegungsmittel erweist sich auch als äußerst vielseitige Erzählhilfe, mit der sich einiges zusammenfügen lässt, was am tatsächlichen...
Die Auswahl zum Berliner Theatertreffen steht fest
Es sind wieder zu wenig Regisseurinnen in der Auswahl. Viel zu wenig Theater aus kleineren Städten wie Darmstadt, Bern oder Oberhausen. Viel zu viel Postdramatik, Romane, Filme, Überschreibungen. Kaum migrantische Positionen, genauer gesagt: kein einziger Schwarzer, oder, wie die von der Social Media Abteilung der...
