Theatertreffen: Zu viel plus zu wenig gleich Kompromiss
Die Auswahl zum Berliner Theatertreffen steht fest
Es sind wieder zu wenig Regisseurinnen in der Auswahl. Viel zu wenig Theater aus kleineren Städten wie Darmstadt, Bern oder Oberhausen. Viel zu viel Postdramatik, Romane, Filme, Überschreibungen. Kaum migrantische Positionen, genauer gesagt: kein einziger Schwarzer, oder, wie die von der Social Media Abteilung der Berliner Festspiele am Tag der Schlussjurysitzung engagierte Schauspielerin Thelma Bouabeng zusammenfasste: «only white theatre for white people».
Und im Übrigen: künstlerisch gewagter, politisch und ästhetisch provokanter hätte das alles natürlich sowieso sein müssen!
Eingeklemmt zwischen Repräsentationsanforderungen und Best-of-Erwartungen hat die mit sieben verschiedenen, aber auch nicht unendlich weit auseinanderliegenden Geschmäckern ausgestattete Jury sich nach über 400 Sichtungen auf eine Kompromissauswahl geeinigt, an der vielleicht am meisten auffällt, dass die großen Koproduktionen der Freien Szene ganz selbstverständlich neben den großen Inszenierungen der Metropolentheater stehen, so etwa Thorsten Lensings Forster-Wallace-Adaption «Unendlicher Spaß» (Sophiensaele u.v.a.), Thom Luz «The Girl from the Fog ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2019
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Eva Behrendt
Ein Vorurteil besagt, dass spätestens mit der postdramatischen Wende der Text für das Theater an Bedeutung verloren habe. Allerdings arbeiten Theatermacher wie Rimini Protokoll oder Signa sehr wohl mit Texten, wenngleich das in der Regel keine Dramentexte mehr sind. Stattdessen entstehen diese Texte während des Probenprozesses, manchmal sogar während der...
«unsere väter lebten angenehm. sie hatten rinder und feldfrüchte;
sie hatten salzsümpfe und bananenbäume.
plötzlich sahen sie ein großes schiff aus dem ozean emporsteigen.
dieses schiff hatte vollständig weiße flügel, die wie klingen funkelten.
weiße männer kamen aus dem wasser und sprachen worte, die niemand verstand.
unsere vorfahren ergriff die furcht; sie sagten,...
Naturgesetze sind nicht unüberprüft hinnehmbar, da hat Ruedi Häusermann Recht. Wo stünden wir schon, hätte die Menschheit dem Schein des Faktischen immer blind vertraut? Die Finsternis zum Beispiel, wie sie in der Zürcher Schiffbau-Box herrscht, sobald die Technik das Licht ausdreht, besitzt die Eigenschaft, dass man nichts sieht und dennoch gut hört. Das Phänomen...
