Klaus im Schrank
Fantastisch! Die E-Mail aus dem Staatsschauspiel Dresden offenbart sensationelle Zahlen. Unglaubliche 256.300 Zuschauerbesuche konnten die sächsischen Vorzeigebühnen im Kalenderjahr 2013, der fünften Saison von Intendant Wilfried Schulz, in ihre diversen Spielstätten locken – ganze 20.000 mehr als im Jahr davor! Was für ein Fest für die Kunst. Der Monat der Monate war dabei der winterwarme Dezember: Allein in diesen vier Wochen haben 45.000 Zuschauer die Inszenierungen des Staatsschauspiels besucht. 45.000! Das entspricht fast der Einwohnerzahl von Wetzlar, Speyer oder Greifswald.
Als besonders erfolgreich erwiesen sich laut Presseinfo dabei die Neuproduktionen von «King Arthur», «Der Parasit» und «Klaus im Schrank». Wenn es mehr Dresdener Dezember im deutschen Theater gäbe, wären (fast) alle Probleme gelöst!
Schauen wir uns also den sächsischen Traummonat einmal genauer an. Die wackeren Theaterkünstler an der Elbe waren wirklich bienenfleißig: 44 Vorstellungen im großen Haus, 54 Veranstaltungen im Kleinen Haus und 23 im Palais am Großen Garten. Auch wenn man diverse Ringvorlesungen, Tango-Tanztees, Einführungen und Publikumsgespräche abzieht, bleiben immer noch weit über 100 ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Februar 2014
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Franz Wille:
Im ersten Moment meint man, sie schauten einen an. Und doch ist es vielmehr der eigene Blick, der irritiert. Der Blick auf drei Dutzend schwarze Schaufensterpuppen, die während der gesamten Aufführung von «Schande» nach dem gleichnamigem Roman des südafrikanischen Literaturnobelpreisträgers John M. Coetzee unbeweglich auf der Bühne der Münchner Kammerspiele...
Meinen sie das wirklich ernst? «Den jungen Regisseur Sarantos Zervoulakos», ist auf der Website des Düsseldorfer Schauspielhauses zu lesen, «reizt es zu überprüfen, ob man heutzutage noch eine Landpartie unter falschem Namen unternehmen muss, um ein Anderer zu sein.»
Nun. Man muss sich ja nicht gleich einen martialischen Avatar erfinden, um als tapferer Krieger...
Mit dem Kopf auf der Tischplatte hängt er da, Ivanov, ein abgekämpfter Enddreißiger in tristen Farben. Aus den Lautsprechern dringt ein hoher Tinnitus-Ton, das Fiepen einer überstressten Seele. Zwei Stunden später wird dieses Auftaktbild der Inszenierung auch ihr Schlussbild sein. Dazwischen hat Regisseur Michael Talke eine Reise in die Innenwelt dieses depressiven...
