Purzelbäume schlagen

Leipzig Kleines Haus: Tschechow «Ivanov»

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Mit dem Kopf auf der Tischplatte hängt er da, Ivanov, ein abgekämpfter Enddreißiger in tristen Farben. Aus den Lautsprechern dringt ein hoher Tinnitus-Ton, das Fiepen einer überstressten Seele. Zwei Stunden später wird dieses Auftaktbild der Inszenierung auch ihr Schlussbild sein. Dazwischen hat Regisseur Michael Talke eine Reise in die Innenwelt dieses depressiven Titelhelden aus Anton Tschechows frühem Drama «Ivanov» (1887) angesetzt.

Es ist eine Welt, in der das personifizierte schlechte Gewissen von Ivanov (Felix Axel Preißler), der Arzt Lvov, bleich wie ein Totengräber oder ein Konfirmand vor der Bibelstunde her­umläuft. Wo Gutsbesitzer mitunter zu Hyänen oder Kötern mutieren, wenn sie den Namen Lvov vor sich hinbellen. Und das alles vor einem riesigen Apothekerregal, in dem Stachelbeergläser gleich endlosen Pillenvorräten herumstehen (Bühne: Hugo Gretler). Wahrlich, es hätte eine kafkaeske Traumstunde sein können.

Aber es fehlt Talke an Radikalität, seinen Entwurf durchzuführen. Im ersten Gespräch, als der Verwalter Borkin (Hartmut Neuber) dem Großgrundbesitzer Ivanov einige ökonomische Neuerungen fürs Gut aufschwatzen möchte, wendet sich Jonas Fürstenau als Ivanov ...

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Theater heute Februar 2014
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Christian Rakow

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