Farbwechsel

Luk Perceval inszeniert «Schande» nach dem Roman von John M. Coetzee an den Münchner Kammerspielen und befeuert ungewollt eine Debatte über Migranten und ihre Rollen im deutschen Theater

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Im ersten Moment meint man, sie schauten einen an. Und doch ist es vielmehr der ei­gene Blick, der irritiert. Der Blick auf drei Dutzend schwarze Schaufensterpuppen, die während der gesamten Aufführung von «Schande» nach dem gleichnamigem Roman des südafrikanischen Literaturnobelpreisträgers John M. Coetzee unbeweglich auf der Bühne der Münchner Kammerspiele stehen. Bühnenbildnerin Katrin Brack hat sie dort postiert, einzeln und in Grüppchen, Männer, Frauen, Kinder, in Alltagsklamotten, auch ein paar Hunde sind dabei, wie bei einer eingefrorenen Straßenszene.

Eine latente Provokation, zwei Stunden lang. Sind wir so? Nehmen wir schwarze Menschen als stereotype Statisten wahr? Luk Percevals Inszenierung suggeriert das, und im Laufe des Abends wirkt diese aufoktroyierte Verunglimpfung zunehmend ernüchternd, auch wenn später noch drei schwarze Schauspieler in entsprechenden Rollen live auftreten.

Doch die Zentralperspektive bleibt eine weiße, und im Fokus steht wie im Roman der in Ungnade gefallene Universitätsprofessor David Lurie, durchaus kein sympathisches Exemplar seiner Klasse, den die beiläufige Affäre mit einer Studentin nicht nur den Job kostet, sondern in der Folge auch sein ...

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Theater heute Februar 2014
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Silvia Stammen

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