Kiel: Ein Sommernachtsträumchen

Roland Schimmelpfennig «Die Straße der Ameisen» (DSE)

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Es ist warm. Träge dreht sich der Ventilator, Ameisen bahnen sich ihren Weg durch die Küche, und Familie Sanchez, Großmutter, Mutter, Tochter, Freund der Tochter, schauen eine Telenovela, bis die Nachbarin die Waschmaschine anwirft und so die Stromspannung überfor­dert. Das war es dann bis auf Weiteres mit Sentiment, also setzt sich die Familie aufs Sofa und erzählt. Wie der Großvater einmal in einer Gewitternacht ein lang ersehntes Paket bekam. Wie das Paket dann aber vor allem wertlosen Plunder enthielt.

Wie dieser Plunder sich nach der ersten Enttäuschung aber als verzaubert erwies, ein Kugelschreiber, mit dem sich romantische Gedichte verfassen lassen, ein Glas, das nie leer wird, eine Perücke, die Flügel verleiht, und so weiter. Wie die Familie durch die Zauberei reich wurde und unglücklich, und wie der Zauber auch wieder verflog. Und wie die Familie schließlich in ihrem ärmlichen Apartment vor der Telenovela endete.

Roland Schimmelpfennigs «Die Straße der Ameisen» ist ein Märchen, genauer: eine Variante des Grimmschen Märchens vom Fischer und seiner Frau, in dem ein armer Fischer einen wunder­tätigen Butt fängt, der ihm Wünsche erfüllt, bis seine Frau zu gierig wird: ...

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Theater heute August/September 2018
Rubrik: Chronik, Seite 64
von Falk Schreiber

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