Die Gespenster
Bei aller Verwandtschaft zum Diskurspop ist die wahre Qualität von Thomas Köcks Texten doch ihre emotionale Kraft und Dringlichkeit: Gesellschaftsreflektion und persönliches Anliegen sind untrennbar verquickt. Bisher am zwingendsten, am radikalsten ist ihm dies in «Paradies spielen» gelungen. Dabei ist die schmerzvolle Einsicht immer präsent, dass das Theater nicht das Medium ist für einfache, handliche Antworten auf die großen Fragen unserer Zeit. Vielleicht verleiht aber grade diese Einsicht seinen Texten dann wieder ihre Tiefe.
In «Paradies spielen» heißt es:
Wer sieht das schon
an der Außengrenze wer
sieht den Schlafsack neben dem
künstlich atmenden Vater liegen
Wer sieht das schon
In solchen Zeilen spannt Thomas scheinbar leichtfüßig ein tragisches Spannungsfeld auf. Der Schmerz über dieses nur noch notdürftig vernähte Narbengelände Welt, die Wut über die Verhältnisse, über diesen wissend in die Katastrophe rasenden ICE, in dem wir alle sitzen und, statt ihn zu bremsen, nur verträumt oder über die vermeintlich großen eigenen Sorgen grübelnd aus dem Fenster schauen. Dieser, bei allem Humor, zutiefst bittere Furor scheint mir ein wesentlicher Antrieb des Menschen wie des ...
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Theater heute August/September 2018
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Tobias Schuster
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