Im Streuwinkel
Wer die Gegenwart verstehen will, muss ihre historischen Alpträume kennen. Lars von Triers Film «Europa» von 1991 will nicht historische Objektivität zeigen, sondern die Wahnbilder, die das europäische Bewusstsein bis heute verfolgen. So erfand er die Geschichte eines naiven amerikanischen Humanisten, der im Deutschland von 1945 in die Hände der Nazi-Guerillaorganisation «Werwolf» gerät. Als ziviler Schlafwagenschaffner will Leo Kessler Deutschland «etwas Freundlichkeit» zeigen. Und obwohl der Krieg vorbei ist, geht er damit auf eine Reise in die Katastrophe.
Die Rolle der «Werwölfe» wird überzeichnet, weil sie ein passendes Bild für die in Europa bis heute latente Angst vor einem Wiederaufleben des deutschen Faschismus bietet. In diesem Film gibt es keine Antifaschisten, nur machtstrategisch operierende US-Besatzungsoffiziere, opportunistische Deutsche, desorientierte Juden, verkappte Nazis – und einen entscheidungsunfähigen Helden, der wie hypnotisiert durch eine Welt taumelt, die er nicht versteht, und der schließlich mit einer Tat untergeht, die das genaue Gegenteil seiner ursprünglichen Absichten ist.
Magische Bilder, Wechsel von Schwarzweiß-Bildern und farbigen, Bildzitate ...
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Damals, im Frühjahr 2001, zog sich Bert Neumanns Bühne, eine gereihte Ansammlung von Containern und Planken, entlang der Zuschauertribüne in der Zürcher Schiffbauhalle hin. Jetzt, für die Wiederaufnahme der Castorfschen Bearbeitung und Inszenierung von Alfred Döblins Roman «Berlin Alexanderplatz» in der Volksbühne, hat Neumann die lange Container- und Plankenzeile...
Vorhang auf, und das Theater wird erst einmal zum Kino. Eine Filmleinwand verschließt die gesamte Bühnenöffnung. Darauf bremst mit quietschenden Reifen ein weißer Fiat 130, gleich dahinter das Fahrzeug der Eskorte. Maschinengewehrsalven. Schreie. Entsetzen. Wer sich noch regt, wird mit gezielten Schüssen niedergestreckt. Ein Mann wird aus dem Wagen gezerrt, in...
Petite Fleur» heißt das Etablissement, das mehr bodenständig als frivol über die Ausfallstraße am See grüßt. Neonbordüren illuminieren sparsam die klobige Fassade; träge blinken rote Herzen in den Fenstern. Früher war das robuste Zweieinhalb-Familienhaus schräg gegenüber der Roten Fabrik noch «eine wundervolle Vorstadtkneipe», in der der legendäre Tonmeister Dieter...
