Eine Bühne, zwei Romane
Damals, im Frühjahr 2001, zog sich Bert Neumanns Bühne, eine gereihte Ansammlung von Containern und Planken, entlang der Zuschauertribüne in der Zürcher Schiffbauhalle hin. Jetzt, für die Wiederaufnahme der Castorfschen Bearbeitung und Inszenierung von Alfred Döblins Roman «Berlin Alexanderplatz» in der Volksbühne, hat Neumann die lange Container- und Plankenzeile kreisrund auf der flott bewegten Drehbühne zusammengebogen.
Mit dieser Mobilisierung und Konzentrierung schafft Neumann die szenische Voraussetzung dafür, dass Frank Castorf nicht etwa eine matte Kopie der Zürcher Inszenierung hergestellt hat, sondern seine triftigste Arbeit seit Jahren.
Max Hopp als Biberkopf erschien mir in Zürich (TH 5.01) als das entscheidende Manko der Aufführung. Jetzt hat er sich in die Figur hineingearbeitet, in diesen Gelegenheits-Transportarbeiter Biberkopf. Der hat sein Mädchen in blinder Eifersucht umgebracht, jahrelang in Tegel eingesessen. Aus dem Knast kehrt er in die lärmende Stadt zurück, will sich bessern, handelt mit Zeitungen und verkauft fertig gebundene Patentschlipse. Zu diesem Zweck läuft Hopp durch die flachen Regenpfützen, über die Dachpappe auf der Vorbühne bis an die Rampe vor, ...
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Mutterliebe ist ein Konstrukt», konstatierte im «Spiegel» schnöde Elisabeth Bronfen, Expertin für Gender-Fragen – ein Kommentar von vielen, in der Regel erheblich rührseligeren zum Thema Kindsmord, das nicht nur die Vermischten Seiten zur Adventszeit füllte. Acht tote Kinder in Darry und Plauen, von den eigenen Müttern getötet, im Wahn, aus sozialer Verwahrlosung,...
Es ist dieser Aufkleber an der Tür zu dem kleinen, abseits und verwunschen im Grünen am plätschernden Landwehrkanal gelegenen Theater in Eisleben, der einem klar macht, dass mit dieser Idylle irgendwas nicht stimmt. «Aktion Noteingang – Wir bieten Schutz und Information bei rassistischen und fremdenfeindlichen Übergriffen» steht da, und dann tritt man ins Foyer...
Petite Fleur» heißt das Etablissement, das mehr bodenständig als frivol über die Ausfallstraße am See grüßt. Neonbordüren illuminieren sparsam die klobige Fassade; träge blinken rote Herzen in den Fenstern. Früher war das robuste Zweieinhalb-Familienhaus schräg gegenüber der Roten Fabrik noch «eine wundervolle Vorstadtkneipe», in der der legendäre Tonmeister Dieter...
