«Ich will nicht subtil sein!»

Freiburg und seine Waldorfschulen haben im dramatischen Werk von Rebekka Kricheldorf Spuren hinterlassen. So auch in «Alltag & Ekstase», ihrem neuesten Stück – ein Porträt

Theater heute - Logo

Das erste literarische Genre, das Rebekka Kricheldorf beherrschte, war das Schmähgedicht. «Es lebte einst, ich weiß nicht wo / ein Mensch, der hieß Gorilla-Joe / Er war nicht schön, er war nicht klug / doch Haare hatte er genug / Die hingen tief ihm ins Gesicht / So sah er nie das Sonnenlicht.» Dieses lyrische Frühwerk beispielsweise entstand Mitte der achtziger Jahre an einer Freiburger Waldorfschule. Mit zwölf, dreizehn Jahren, erzählt Rebekka Kricheldorf, habe sie nicht wenige reform–pädagogische Unterrichtsstunden selig zur künstlerischen Produktion zweckentfremdet.

An literarischen Auseinandersetzungsgegenständen herrschte schließlich kein Mangel: Unliebsame Mitschüler wie den besagten «Gorilla-Joe» hatte das Rudolf-Steiner-Imperium en masse aufzubieten. Den stilistischen Referenzpunkt indes bildete Kricheldorfs damaliger singulärer Lieblingsautor: Wilhelm Busch.

Auch wenn die Autorin jetzt – fast dreißig Jahre später – vom einfachen Kreuzreim zur dialektischen Dialog-Kunst fortgeschritten ist: Der unverkrampft misanthropische Hohndichtungsappeal in Kombination mit Buschs Comic-Style durchweht ihre Texte bis heute. Zum Beispiel das Sittenbild «Alltag & Ekstase», Kricheldorfs ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2014
Rubrik: Akteure, Seite 30
von Christine Wahl

Weitere Beiträge
Aktualitäts­verzweiflung

«Kabale und Liebe» ist eine sichere Bank für die Stadttheater. Infolge verunglückter Bildungsreformen werden die schulischen Theaterbesuche nämlich so bald nicht abreißen. Wäre da nicht die Krux mit der ständigen Neuauflage. Denn was lässt sich diesem landauf, landab gespielten Oberstufenstoff noch an Zeitgeist abringen?

Am Schauspiel Köln hat sich Simon Solberg...

Heul Hitler!

«Tja, das war der Drache.» Noch bevor der Vorhang sich öffnet, resümiert Hebbel persönlich (Wolfgang Rüter) die ruhmreichen Taten seines Helden. Des Dichters lässige Vorrede ist amüsant und befremdlich zugleich: Mit seinen Zwergenkämpfen und Drachenblutbädern wirkt der Nibelungenstoff nicht heroisch, sondern alt­backen und unfreiwillig komisch. Vielleicht ist er im...

Pläne der Redaktion · Impressum

Was Mark Russell und Meiyin Wang in ihrem New Yorker Festival «Under the Radar» präsentieren, bleibt nicht mehr lange unterm Radar. Ein Gespräch und die Ent­deckungen von 2014

Ferdinand Schmalz war schon Alsergrunder Bezirksschreiber mit Schwerpunkt auf dem Julius-Tandler-Platz und bloggt unter www.dieschmalzette.at. Auch sein neues Stück hat hohen Fettwert. «am...