Aktualitätsverzweiflung
«Kabale und Liebe» ist eine sichere Bank für die Stadttheater. Infolge verunglückter Bildungsreformen werden die schulischen Theaterbesuche nämlich so bald nicht abreißen. Wäre da nicht die Krux mit der ständigen Neuauflage. Denn was lässt sich diesem landauf, landab gespielten Oberstufenstoff noch an Zeitgeist abringen?
Am Schauspiel Köln hat sich Simon Solberg des bürgerlichen Trauerspiels angenommen und es mit der popkulturellen Abrissbirne gründlich zerlegt. Mit einem besonders mutigen Zugriff auf Schillers Stoff hat diese Zertrümmerung allerdings nichts zu tun.
Jede Szene ist mit medialen Bildern und Bezügen skandalisiert und mit kurzen Musikhits aufgepeppt. Doch in den dicken Brocken Unterhaltungsindustrie finden die spärlichen Schillerschen Sprachsplitter weder Reibung noch Halt, die zwei Ebenen laufen spannungslos nebeneinander her.
Die riesige Industriehalle des Depots ist ein Lagerraum (Bühne Solberg/Maike Storf). Zwischen Kartonstapeln hängen mächtige Stoffbanner mit Amazon-Schriftzug und dem dynamischen Konterfei des Präsidenten von Walter, studentische Arbeitskräfte wuseln geschäftig herum (leider fügt diese engagierte Statistengruppe dem ohnehin völlig überladenen ...
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Theater heute März 2014
Rubrik: Chronik: Köln Depot 1 und 2, Seite 59
von Natalie Bloch
Sobald die Berge hinter Paarl überflogen sind, fällt das Flugzeug in kleine Luftlöcher und hat Afrika beinahe hinter sich gelassen. Unter uns erstreckt sich seine südlichste Region, das Western Cape. Die sanfte Landschaft aus Hortensienalleen und ganze Täler bedeckenden Weinplantagen wird nur noch vom beeindruckenden Tafelbergmassiv gebrochen, dem scheinbar letzten...
Es läuft rund. Ein klaffender Trichter, von einem Gerüst mit Podien, Treppen, Rampen gestützt, dreht sich auf der Bühne wie ein Hamsterrad. Oder ein Roulette, das es assoziiert, denn wir sind in Roulettenburg, Dostojewskis fiktiver deutscher Stadt, montiert aus Wiesbaden, Bad Homburg und Baden-Baden.
Geld um jeden Preis: Spielen wird zur Metapher des ökonomischen...
Das erste literarische Genre, das Rebekka Kricheldorf beherrschte, war das Schmähgedicht. «Es lebte einst, ich weiß nicht wo / ein Mensch, der hieß Gorilla-Joe / Er war nicht schön, er war nicht klug / doch Haare hatte er genug / Die hingen tief ihm ins Gesicht / So sah er nie das Sonnenlicht.» Dieses lyrische Frühwerk beispielsweise entstand Mitte der achtziger...
