Hamburg: Thalia in der Gaußstraße
Gerade noch haben Popjournalisten von Rang die Frage diskutiert, was denn den Hipster, diesen amerikanischen Nachfahr des europäischen Bohèmiens, so ausmacht (u.a. «sehr, wirklich sehr enge und spitz zulaufende Hosen, in die man rein-, nicht aber wieder herauskommt, Pullover mit Rentieren drauf, übergroße und schwarze Hornbrille oder aber das teure Imitat des metallenen Kassengestells aus den 70er Jahren», wie der Zeit-Redakteur Adam Soboczynski beobachtet), da sieht man ihn gleich in mehreren Varianten in einer äußerst lässigen Lessing-Inszenierung herumstehen.
Er trägt, nur zum Beispiel, über dem hübschen Gesicht eine fransige Pilzfrisur mit imposanten Kotteletten wie Paul Weller, der Gottvater des Britpop (Thomas Niehaus als Prinz). Oder er kann, Soboczynski hat ja so recht, dank seiner grauen Jeansröhre kaum laufen und fügt seiner Physik-LK-Brille ein ebenso nerdiges Grinsen hinzu (Jörg Pohl als Marinelli). Oder er ist in die Jahre gekommen, was ihn nicht daran hindert, die Lederhosen anzubehalten und das schütter gewordene Haar schulterlang zu tragen (Hans Kremer als Odoardo). Die stilsicheren Kostüme hat Amit Epstein entworfen.
«Emilia Galotti», Gotthold Ephraim Lessings ...
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Theater heute April 2012
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Eva Behrendt
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Im Zentrum des Dramas steht also eine Katastrophe, die so ziemlich den schlimmsten Alptraum von Eltern darstellt. Es ist eine alltägliche, vollkommen sinnlose Katastrophe. Niemand hat – im...
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