Genesis ins Elend
Die Hartz-IV-Gesetzgebung erweist sich wieder einmal als Vehikel für den Verlust menschlicher Werte. So jedenfalls erzählt Henriette Dushe ihre Parallel-Geschichte zur Genesis: Einem paradiesischen Urzustand
folgt der Absturz in ein jämmerliches Dahinvegetieren.
Eine heitere Ursprungslandschaft zu Beginn, überquellend von Pflanzenwuchs und allerlei Getier.
Hier erhebt sich ein nicht näher bestimmtes Wesen aus Staub, «das läuft und läuft», einer Kette von Demütigungen ausgesetzt, bis es sich wieder findet im «ohrenbetäubenden Lärm des Großraumabfertigungsbereichs eines Jobcenters». Es fehlt nicht an aufbrausendem musikalischen Sound, von Haydn bis Jimmy Hendrix, es fehlt nicht an einem Sachbearbeiter, «Kugelschreiber» genannt, der seinem Namen getreu wenig Beistand zu leisten vermag, wenn sich die Widrigkeiten häufen: Dem Karriereknick folgt die Leistungsminderung, sinnlose Kurse trainieren das Ausfüllen von Formularen. Selbst an jenem beschämenden Pfandbon in Höhe von einem Euro dreißig mangelt es nicht. Alles wie im richtigen Leben. Henriette Dushe hat fleißig gesammelt; die Farce freilich, zu der sich ihre Wahrnehmungen verdichten sollten, gerät über eine Skizze nicht hinaus. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Normalerweise münden die seltenen Theaterbesuche mit meinem Vater direkt in die Regietheaterdebatte. Er findet es schrecklich, dass Theatermacher nicht mehr nach der Intention des Autors suchen, sondern ihre eigene Sicht (die im Wesentlichen aus brüllenden Nackten besteht) fremden Texten überstülpen. Ich dagegen finde es schrecklich, dass er seine pauschale...
Drama ist die Kunst des Konflikts», schreibt der Dramaturg und Regisseur Avishai Milstein in seinem Katalogtext zum Heidelberger Stückemarkt. Und der erste Konflikt entzündete sich schon am Anlass
dieses Textes. «Gastland: Israel» steht auf dem Katalog, was mehrfach so verstanden wurde, als präsentiere sich hier ein Land in toto samt seiner umstrittenen Politik....
Jeder ist in seine Tätigkeit versunken, scheint seine Nische gefunden zu haben. Mit Pinsel und Federkiel wird die Erklärung der Menschenrechte, Worte wie «egalité» oder «rights of the human person» auf große Pergamente gemalt. Manche arbeiten im Stehen, einer hockt am Boden über seiner Schrift, ein nächster oben auf einer Leiter. Im Zentrum ein Mann im Frack und...
