Abschieds-Achterbahn
Jeder ist in seine Tätigkeit versunken, scheint seine Nische gefunden zu haben. Mit Pinsel und Federkiel wird die Erklärung der Menschenrechte, Worte wie «egalité» oder «rights of the human person» auf große Pergamente gemalt. Manche arbeiten im Stehen, einer hockt am Boden über seiner Schrift, ein nächster oben auf einer Leiter. Im Zentrum ein Mann im Frack und eine Frau im schwarzen Rock, eingefroren in ihren Bewegungen, wie aus einer abgelebten Zeit – das Königspaar.
Bald schon werden Klarheit und Ordnung, aber auch Schönheit des Raumes in einem Schlachtfeld aus Farben, zerfetztem Papier und geborstenem Holz untergegangen sein. Statt der Menschenrechtsworte auf Leinwand wird Ubu seinen Namen an alle Wände schmieren (Bühne und Kostüme: Muriel Gerstner).
Struktur und Chaos, Gesetz und Gesetzlosigkeit sind ein wesentliches Thema in Sebastian Nüblings groß angelegter Inszenierung am Schauspiel Essen gegen Ende der letzten Spielzeit von Anselm Weber. Nicht nur der Raum spiegelt das, auch die Sprache. Die Koproduktion mit der Toneelgroep Amsterdam ermöglicht eine Mehrsprachigkeit, die immer wieder in ein babylonisches Sprachgewirr mündet. Ubu selbst benutzt eine anarchische ...
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Da sieht man gleich, wo man ist: Weite, sommerhelle Bühne mit einer Reihe freundlicher Bodyguards dezent im Hintergrund; vorne planscht ein renitentes Kind im Pool und wird von einer gefährlich geduldigen Gouvernante bespaßt; rechts posen zwei todchice Frauen, die Dunkle im Chanel-Kostüm, die Blonde auch nicht schlecht. Jetzt müsste noch Jackie Onassis mit einem...
Bunte Farbkleckse vor der Hamburger Handelskammer signalisieren an diesem sonnigen Frühlingstag «Kultur». Für 220 Euro darf man durch das mit steinernem Stadtwappen, Füllhorn und Fruchtgebinden geschmückte Hauptportal treten und auf der Treppe zu Statuengott Merkur aufsteigen. Im repräsentativen Saal der ehemals Neuen Börse am Jungfernstieg findet das...
Es ist nicht gerade ein schwerer Médoc, den die Requisite des Maxim Gorki Theaters der genussfreudigen Danton-Kommune abgefüllt hat. Umso bombensicherer hat sie die Flaschen mit der himbeersaftdünnen Plörre wieder verkorkt, und Johann Jürgens, einer der revolutionären Mitbewohner, muss etliche jakobinische Verrenkungen auf sich nehmen, um dem französischen...
