Gemeint sein
In der Kurzgeschichte «Vibrationshintergrund» von Selim Özdogan beschreibt der Autor seine Begeisterung für die Wortneuschöpfungen, die dadurch zustande kommen, dass Kinder sich verhören. Er selber verstand als kleiner Junge statt «Zivilcourage» «Zivilgarage» und stellte sich darum eine Garage voller Polizisten in Zivil vor. Nun kommt in seiner Kurzgeschichte seine kleine Tochter zu ihm und sagt: «Papa, die Lehrerin in der Schule hat gesagt, ich habe einen Vibrationshintergrund.
Was ist das?»
Die gesamte Kurzgeschichte über erklärt Özdogan der Tochter, dass Vibratoren etwas sind, was den Leuten Spaß macht. Sie sind ihnen aber auch peinlich, darum verstecken sie sie ganz weit hinten in der Schublade und holen sie dann heraus, wenn sie ihren Spaß haben wollen. Weiter in der Geschichte vergleicht Özdogan Migrant*innen mit Vibratoren und findet, dass seine Tochter den Punkt genau getroffen hat: Wir machen Spaß, wir sind ein bisschen peinlich, wir werden ausgepackt, wenn man uns braucht und – wir vibrieren.
Mit Shermin an der Bar
Als ich die Anfrage bekam, diese Laudatio zu halten, war ich gerade in Selimiye an der Ägäis-Küste. Das ganze Dorf schien bewohnt von kommunistischen ...
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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Die Theater des Jahres, Seite 124
von Sasha Marianna Salzmann
Bei Shermin Langhoff hängt ein Kunstwerk von Silvina Der-Meguerditchian, auf dem steht «Dert var gelir geçer, dert var deler gider» – es gibt Sorgen, die kommen und gehen, und es gibt Sorgen, die kommen, hinterlassen ein Loch und gehen dann. Diese Löcher untersucht Yael Ronen in ihren Stücken.
Das tut sie wie eine Therapeutin, eine Schamanin, eine Vermittlerin zur...
Sie wolle etwas Heiteres schreiben, ihr sei nach Komödie, soll Elfriede Jelinek angekündigt haben, und nach den schweren Texten, die in letzter Zeit aus ihrer Feder kamen, wie «Die Schutzbefohlenen», in dem sie sich unermüdlich am Flüchtlings-Thema abarbeitete, oder «Wut», in dem sie die Anschläge von Paris thematisierte, nahm sie sich das Thema Mode vor.
Auch laut...
Der Dramatiker Ferdinand Schmalz liebt Humor und bildhafte Spielorte. So wundert es kaum, dass nach dem Butterberg hinter der Molkerei, dem sumpfigen Urgrund eines Einkaufsparadieses und dem Unfallchaos an einer Raststätte in seinem neuen Drama ein überflutetes Thermalbad zum Gesellschaftsbild unserer mittels Wellness und Körperkult weichgespülten Wirklichkeit...
