In der Hölle der Bequemlichkeit
Der Dramatiker Ferdinand Schmalz liebt Humor und bildhafte Spielorte. So wundert es kaum, dass nach dem Butterberg hinter der Molkerei, dem sumpfigen Urgrund eines Einkaufsparadieses und dem Unfallchaos an einer Raststätte in seinem neuen Drama ein überflutetes Thermalbad zum Gesellschaftsbild unserer mittels Wellness und Körperkult weichgespülten Wirklichkeit wird.
Sein provokanter Antiheld in dem Theaterstück «Der thermale Widerstand» ist der Bademeister Hannes, der mit seiner «weißen uniform, gleich einer zweiten haut sich auch eine verantwortung» überzieht und die zahlreichen Bücher in seiner obskuren Bibliothek wirklich gelesen hat: Sassen, Sennet, Sharp und Hans von Dach. Letzterer ist in der Schweiz mit seiner illustrierten Lehrbroschüre «Der totale Widerstand, Kriegsanleitung für Jedermann» bekannt, die 1957 erschienen ist und sich mit dem Widerstandskampf gegen einen eventuellen sowjetischen Einmarsch in die Schweiz befasst. Saskia Sassen dagegen hat mit ihrem Buch «Ausgrenzung: Brutalität und Komplexität in der globalen Wirtschaft» eine scharfe politische Analyse über die wachsende Ungleichheit und Armut des 21. Jahrhunderts vorgelegt. Bademeister Hannes und sein Autor ...
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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 179
von Andrea Koschwitz
Unter den jungen und aufgekratzten Menschen, die an diesem Frühsommerabend an den Cafétischen vor der Amsterdamer Stadsschouwburg sitzen, ist er der Mann, der am lautesten lacht. Es ist ein dröhnendes, markerschütterndes Lachen, das wie ein Theatereffekt wirkt. Simon Stone trägt einen eng sitzenden dunkelblauen Anzug, er zeigt seine prächtigen weißen Schneidezähne...
Es gibt diese Bemerkung von Furio Colombo aus Pasolinis letztem Interview: «Die Situation, die du ständig anprangerst, sie ist es letztlich, die dir erlaubt, Pasolini zu sein.» Man ist als Künstler auf den Widerstand angewiesen, an dem man sich reibt. Es ist unsere Aufgabe, die Grenzen der Kunst immer weiter auszudehnen: neue, noch unbekannte Akteure zu erfinden,...
Ursprünglich wollte Toshiki Okada Filme machen. Doch nach einer ersten erfolgreichen Theaterregie-Erfahrung mit befreundeten Studierenden gründete er 1997 die Theaterkompanie chelfitsch (Babysprache für das englische «selfish» – also selbstsüchtig, egoistisch). Seitdem schreibt er in seiner Doppelfunktion als Autor- und Regisseur-in-Residence für chelfitsch und...
