Unfinished Business
Ursprünglich wollte Toshiki Okada Filme machen. Doch nach einer ersten erfolgreichen Theaterregie-Erfahrung mit befreundeten Studierenden gründete er 1997 die Theaterkompanie chelfitsch (Babysprache für das englische «selfish» – also selbstsüchtig, egoistisch). Seitdem schreibt er in seiner Doppelfunktion als Autor- und Regisseur-in-Residence für chelfitsch und manchmal auch andere japanische Theaterkompanien Theaterstücke. Okada setzt in ihnen Tradition und Gegenwart auf eine Weise ins Verhältnis, die beides fremd erscheinen lässt. Er erzählt Geschichten aus einem Japan des 21.
Jahrhunderts, das vom beschleunigten globalen Kapitalismus geprägt ist, aber weiter ganz eigenen, lokalen Umgangsformen anhängt. In Okadas Stücken sehen wir Menschen, die in dieser sich wandelnden Welt einen aktiven Zugriff auf die sie umgebende Realität verloren haben. Und weniger kämpfen als flüchten: in die Erinnerung, in Trivialitäten, in den Konsum.
Nachdem Okadas Stücke bisher ausschließlich in Asien entstanden sind, schreibt er nun zum ersten Mal ein Auftragswerk für die Münchner Kammerspiele. «Nô Theater» (AT) wird sich der streng formalisierten Struktur der klassischen japanischen Theaterform ...
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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 174
von Tarun Kade
TH Naika Foroutan, Sie sind Professorin für Migrations- und Integrationsforschung an der Berliner Humboldt-Universität. Was machen Sie da eigentlich genau?
Naika Foroutan Ich bin, genauer gesagt, Professorin für Integrationsforschung und Gesellschaftspolitik. Wenn man darin nach der Migrationsforschung fragt, muss man feststellen, dass das als klassisches Fach in...
Europa wahrhaftig zu verteidigen bedeutet, die Idee von Europa zu schützen und eben nicht die Grenzen. Konstantin Küsperts Stück kann als ein leidenschaftliches Plädoyer für ein (europäisches) Engagement gelesen werden. Was macht Europa aus, fragt das Stück, sind es die Werte der Aufklärung, die Werte von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit? Oder ist Europa nur...
Als ich auf die Welt kam, lag die Welt in Asche. Ich wurde 1946 geboren. Ein halber Kontinent war zerbombt, und Millionen Menschen waren hingerichtet oder zwischen den Fronten getötet worden. Die deutschen Nationalsozialisten hatten gerade noch in ihren grenzenlosen Allmachtsfantasien gestoppt werden können. Mein Land, die Niederlande, war dank der Alliierten...
