Geht nicht, gibt es nicht

Auskömmliche Finanzierung, ein einheitlicher Theatertarifvertrag, mehr Zeit, freier Eintritt und Kitas – Sewan Latchinians Wunschliste ist lang

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Als mich die Anfrage zu diesem Thema erreichte, erschrak ich zunächst, denn in über 15 Jahren Leitungsverantwortung an nicht idealen Theatern hatte ich nie mehr darüber nachdenken können, was ideal wäre. Sondern immer nur darüber, wie Optimales im
Unidealen zu schaffen sei. Umso neugieriger war ich auf meine eigenen Wünsche. Diese sind seit mehreren Vorbereitungsmonaten in Rostock in vielem entgegengesetzt zu meiner tagtäglichen Realität.

Ein inniger Wunsch wäre, nicht mehr die Bedrückung aushalten zu müssen, ob die gewollte Kunst überhaupt machbar ist für das vorhandene Geld – oder ob die Kunst überhaupt gewollt ist in der Stadt, in dem Bundesland. Inszenieren zu dürfen mit Muße, Ruhe, Zeit, solch ein Arbeiten ist mir seit meinen Jahren am Deutschen Theater Berlin gar nicht mehr erinnerlich.

Dass aus materiellem Mangel mit viel Fantasie und einer motivierten Belegschaft poetischer Reichtum kreiert werden kann, haben wir in Senftenberg bewiesen, und das werden wir auch in Rostock tun. Aller­dings stellt sich immer drängender die Frage, halten das meine Mitarbeiter, und wie lange halte ich das aus – und durch? Reproduzieren Idealismus, Selbstausbeutung, Verzicht, um der ...

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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Reale Utopien, Seite 34
von Sewan Latchinian

Weitere Beiträge
Die exterritoriale Position

(Wäre es nicht schön, wenn Theatermachen nicht bedeutete, dass in Reihe drei jemand sitzt, der im narzisstischen Rausch abgerichtete Menschen anschreit und von A nach B schiebt und das auch noch beim sogenannten «Inszenieren» (hahahaaaa) eines heruntergekommenen und schon an Ort und Stelle fragwürdigen Stückes, das nicht der Gegenwart, sondern größtenteils nach...

Deutsche Erstaufführungen

A
Alan Ayckbourn
Alle lieben George (Staatstheater Nürnberg)

B
Jeff Baron
Mischpoke (Neues Schauspiel Ensemble, München)

Paco Bezerra
Grooming (Deutsches Theater Göttingen)

C
Adam Cass
Ich liebe dich, Mann (Stadttheater Pforzheim)

Guillaume Corbeil
Man sieht sich (Theater der Jungen Welt, Leipzig)

D
Lisa D’Amour
Detroit (Theater Münster)

F
Nathalie Fillion
Durch den Wind...

Ukrainische Barrikaden

Gelandet in Kiew. Wie Nachhausekommen in eine unbekannte Stadt», verzeichnet mein Tagebuch am 23.6.2011 um 16.00 Uhr. Ich war mit dem Direktflug aus New York angereist. 14 Stunden economy class, der Atlantik und drei Viertel des Kontinents lagen hinter mir. Dann die Taxifahrt durch eine ausgedehnte Zone voll schmutziger Plattenbauten und haushoher Reklamen für...