Ukrainische Barrikaden
Gelandet in Kiew. Wie Nachhausekommen in eine unbekannte Stadt», verzeichnet mein Tagebuch am 23.6.2011 um 16.00 Uhr. Ich war mit dem Direktflug aus New York angereist. 14 Stunden economy class, der Atlantik und drei Viertel des Kontinents lagen hinter mir. Dann die Taxifahrt durch eine ausgedehnte Zone voll schmutziger Plattenbauten und haushoher Reklamen für Zündkerzen, Frühstücksriegel, Strumpfhosen und Kosmetika.
In der Nähe des Zentrums (Kiew liegt wie viele mittel- und osteuropäische Städte über einer Flusslandschaft auf einem Hügelrücken) der erste Blick auf die gewaltigen Ufer, Auenwälder und Stromschleifen des Dnjepr. Schließlich die Eiskremfarben der Barockkirchen und die abblätternden Fassaden der Innenstadt. Die blühenden Kastanien. Die quietschenden Straßenbahnen. Wieso kam mir das alles wie eine Heimkehr vor?
Sicher auch einfach nur, weil Kiew mich erinnert hat an Krakau und Bratislava, wo ich vor New York fast ein Jahrzehnt lang gewesen war. Aber in dieser autobiografischen Nostalgie hat sich zugleich (wie mir heute vorkommt im Rückblick auf eine in der Erinnerung fast verklärte Woche im noch vorrevolutionären Kiew) ein allgemeineres Gefühl gezeigt.
Heute, nach drei ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: An den Rändern von Europa, Seite 26
von Von Stephan Wackwitz
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