Freiflug über Neuland
Eva Behrendt Heike Makatsch, seit drei Jahren stehen Sie regelmäßig im Leipziger Centraltheater als Gast auf der Theaterbühne, unter anderem in der zum TT eingeladenen Inszenierung «Krieg und Frieden». Wer hat Sie dazu überredet – oder wen haben Sie davon überzeugt?
Heike Makatsch Ich wollte tatsächlich schon immer Theater spielen! Aber ich dachte, erst muss mich jemand entdecken. Ich hatte schließlich keine Ahnung, wie der Weg dorthin gehen soll. Da kam eines Tages Sebastian Hartmanns Anfrage – bzw.
die vorsichtige Formulierung: «Wir überlegen, ob wir ‹Paris, Texas› auf die Bühne bringen und Heike vielleicht Interesse daran hätte.» Freunde aus Volksbühnenkreisen haben mich darüber aufgeklärt, dass das ein interessanter Regisseur sei – und dann haben wir, meine Agentin und ich, den Faden gleich aufgenommen und festgezogen. Kurz: Die Idee kam aus Leipzig, aber ich war’s, die dann nicht mehr locker gelassen hat.
EB Freunde aus Volksbühnenkreisen: Heißt das, Sie sind zwischen Pollesch und Castorf theatersozialisiert worden?
HM Ja, für mich ist das ein magischer Ort. Hier haben sich mir Welten eröffnet, die Film und Fernsehen einfach nicht hätten erschließen können. Je weiter vom ...
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Theater heute Mai 2013
Rubrik: Theatertreffen Berlin, Seite 28
von Eva Behrendt
Mit Rolf Michaelis (8. August 1933– 3. April 2013) starb einer der letzten seiner Art: ein echter Feuilletonist. Das heißt: ein Allrounder mit Tiefgang und mit elegantem, leicht lesbarem, nie leicht-fertigem Stil. Er promovierte über Hölderlin, wurde Redakteur im legendären Feuilleton der «Stuttgarter Zeitung» unter Siegfried Melchinger. Gerade mal dreißig, leitete...
Das Stück ist ein Monstrum. Eine Zumutung. Ein hanebüchener Alptraum mit kruden Setzungen und einer Überdosis Gewalt, Schmerz und Raserei. Ein Trip ins Nichts ohne Fluchtwege oder transzendente Abfederung – und doch erzeugt es auch 400 Jahre nach seiner Entstehung einen Sog, der Zuschauer wie Theatermacher magisch anzieht. Den Lear zu spielen, ist auch heute die...
Gut möglich, dass Sven Lehmann der tiefentspannteste Mephisto war, den man bis dato im Theater sehen konnte. Wie er dem viel größer gewachsenen Faust des Ingo Hülsmann mit nachgerade zärtlicher Seher-Geste in regelmäßigen Abständen den Kopf auf die Schulter legte, während der sich in akademischer Streber-Manier schweißtreibend neben ihm abhampelte, wird keiner, der...
