Facetten des Müßiggangs
Das Publikum zu beiden Seiten des schmalen schwarz glänzenden Steges, meist einander ins Gesicht schauend, manchmal vom glitzernden Glasperlenvorhang getrennt, jubelt. Claudia Bauer muss etwas von dem Lebensgefühl dieser Generation getroffen haben, die sich mit Büchner zumindest in der schönen Sequenz einig weiß: Wer arbeitet, ist ein subtiler Selbstmörder. Allzu viel Respekt vor dem zartgliedrig melancholischen Text ist Claudia Bauers Sache nicht; sie leistet sich eine frech-aggressive Attacke gegen verordnete Langeweile, gegen Müßiggang als Folge erzwungener Untätigkeit.
Ein junger Mann mitten im Zuschauerblock mault mürrisch vor sich hin, als eine sanfte Frauenstimme aus dem Off Fragen nach dem Sinn des Lebens stellt, und wird dafür von seinem Nebenmann gemaßregelt: Prinz Leonce (Jonas Hien) und Staatssekretär (Jörg Lichtensein) im exponierenden Clinch. Letzterer blieb von Büchners Staatsrat als einziger übrig und bewährt sich als wegweisender Repräsentant der Marktwirtschaft. Später wird er als sozialpädagogisch ambitionierter Berater eine verschüchterte Dame – nicht ohne Mühe gerade noch als mitspielende Kollegin auszumachen – aus dem Publikum holen und ihr mit angemessener ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Clemens Meyer ist als Dichter mit Bierflasche in die jüngste Feuilletongeschichte eingegangen. Als der 1977 in Halle geborene Leipziger im März den Buchpreis der Messestadt erhielt, wurde er just in dem Moment fotografiert, als er im Siegestaumel die Pulle hochriss – die authentische Siegerpose des Kerls von der Straße, der sich längst mit Schmalzlocke, Brille und...
Franz WilleMögen Sie Flughäfen?
Tena StivicicFrüher schon, so vor zehn Jahren, als ich anfing, öfter zu reisen. Flughäfen fand ich sehr romantisch. So viele Menschen, die kommen und gehen, man weiß nie, wen man gerade trifft. Damals sind noch viel weniger Leute geflogen, das hatte fast noch etwas Dekadentes. Und verglichen mit Zügen und Bussen, besonders in meinem...
"Alles trocken." Die junge Kollegin kann nicht mehr weinen, seit sie den perfekten Moment erlebt hat, in dem sie beim Spielen selbst glaubte, sich und alle Zuschauer in ein anderes Sein befördert zu haben. Noch wundert sie sich, dass dieser Moment nicht wieder herstellbar ist – wie der Dornenauszieher in Kleists «Marionettentheater». Marcelline wundert sich schon...
