Evidenz in großen Dosen

Das Berliner Theater bekämpft Totalitarismen mit Horváths «Jugend ohne Gott», trauert mit David Grossmans «Aus der Zeit fallen» und weiß nicht weiter bei Volker Brauns «Übergangsgesellschaft»: neue Regiearbeiten von Tilmann Köhler, Andreas Kriegenburg und Lukas Langhoff

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Wenn man betrachtet, woraus totalitäre Systeme ihre Kraft bezogen haben, dann war das zuallererst die Zerstörung von bestehenden Sozialbeziehungen.» Diese Sentenz aus Harald Welzers Oppositionsratgeber «Selbst denken – Eine Anleitung zum Widerstand» flimmert zum Auftakt von Tilmann Köhlers Horváth-Adaption «Jugend ohne Gott» in den DT-Kammerspielen über die vierte Wand. Horváths 1937 erschienener Roman schildert anhand eines Mordfalls in einem vormilitärischen Ausbildungslager, wie ethische Werte in pubertierenden Jungs­köpfen von faschistischen Ideologemen verdrängt werden.

«Es könnte sein», warnt Welzer auf der Bühnenwand weiter, «dass der heutige Totali­tarismus ausgerechnet im Gewand der Freiheit auftritt: in jedem Augenblick alles haben und sein zu können, was man haben und sein zu wollen glaubt.»

Einfache Antworten, bitte!

Steile These – deren analytische Abklopfung bei Köhler nach dem Intro allerdings nicht beginnt, sondern erstaunlicherweise bereits beendet ist. Dafür, ob – und wenn ja, in welchen strukturellen Details genau – die Unterordnung unter diktatorische Systeme tatsächlich mit der freiwilligen Anpassung an ein «hochmodernes Gehäuse der Hörigkeit» vergleichbar wäre, ...

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Theater heute Februar 2014
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Christine Wahl

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