Ersatzleben Film
Die Welt ist voller Missverständnisse. Ein halbes Dutzend droht allein schon, wenn man nur erklären will, wovon Carles Batlles eigentlich ganz einfaches Drei-Personen-Stück «Versuchung» handelt. Es spielt in der Wohnung des jungen katalanischen Antiquitätenhändlers Guillem, der seinen Wohlstand durch Schiebergeschäfte mit illegalen Einwanderern aus Marokko finanziert – aber es ist kein Menschenrechtsdrama.
Bei Guillem arbeitet die junge Aixe, die ein Jahr zuvor aus Angst vor einer Zwangsheirat von zuhause geflohen ist und deren Vater Hassan nun plötzlich bei Guillem vor der Tür steht – aber es ist keine Anklage archaischer Traditionen. Hassan wiederum sucht zwar Aixe, vor allem aber Arbeit, und kommt nur deshalb zu Guillem, weil er ein Jugendfreund von dessen Vater aus der Zeit von Filmdreharbeiten in Marokko ist – aber es ist kein Stück über die wirtschaftliche und kulturelle Kluft zwischen den Kontinenten. Guillem hat sich entgegen seiner Grundsätze in Aixe verliebt und will für sie sein Leben ändern – aber es ist keine Telenovela. Hassan stürzt kurz nach dem Wiedersehen mit seiner Tochter vom geländerlosen Balkon in den Tod, und daran haben sowohl Guillem als auch Aixe Schuld, ...
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Einmal sitzt Ada vorne auf dem Boden, dort kauert sie meistens, und murmelt wieder und wieder ihr Mantra: «Ich bin jetzt!» Eine vergebliche Beschwörung von Gegenwart. Die ist den Jugendlichen in Juli Zehs Roman «Spieltrieb» restlos abhanden gekommen. Sich wenigstens in Restbeständen spüren, das können sie nicht. Nach dem Verlust von Bindung, Werten, Zukunft ist...
Bürgermeister Kruschkatz hat reiche Erfahrungen mit der historischen Wahrheit. Er hat sein Amt in Guldenberg, Christoph Heins DDR-Paradeprovinznest, 19 Jahre lang versehen, länger als jeder seiner Vorgänger und zur besten Aufbauzeit: von 1957 bis 1976. Er hat darüber seine Frau verloren, erst an seinen Widersacher Horn, dann an den Krebs, und er hat die deutschen...
Der erste Koch, den das deutsche Fernsehen berühmt machte, war gar keiner. Der Mann, der den Deutschen beibrachte, eine Scheibe Weißbrot mittelbraun zu toasten, sie mit Butter zu bestreichen, mit je einer Scheibe Kochschinken, Dosenananas und Gouda zu belegen, bei 200 Grad in den Ofen zu schieben und das Ganze dann «Toast Hawaii» zu nennen, war ein arbeitsloser...
