Ernst nehmen!

Eine impulsgebende Auswahl beim diesjährigen Kinder- und Jugendtheatertreffen «Augenblick mal!» in Berlin

Theater heute - Logo

Die Szene sieht stark nach Geisterbahn aus und könnte so auch als «Haunted House» in Disneyland durchgehen. Oder als Setting eines gruseligen Computerspiels. Ein langer Tisch zieht sich über die volle Bühnenbreite, an dessen oberen Enden zwei grotesk aussehende fette Kinder sitzen – links ein in schrilles Gelb gewandetes Mädchen (Corinna Beilharz) und gegenüber ein Junge in Grell-Violett (Klaas Schramm). An der Längsseite thront mittig eine strenge Dame im schwarzen Gouvernantenkostüm (Sabrina Khalil) und blickt stumm ins Publikum.

Ein alter, zerzauster Diener (Armin Schlagwein) schlurft gelegentlich durchs Bild. Bald findet sich noch eine zweite Dame in Schwarz (Lisa Huber) in dieser finsteren Atmosphäre ein, die durch ihren schütteren Operngesang noch ein bisschen finsterer wird.

Dann fangen die Figuren auch zu sprechen an, doch was sie sagen, ist mit dem, was man sieht, nur schwer in Einklang zu bringen. Die Gouvernante wird mit «Meister, größte Dichterin aller Zeiten» angesprochen. Dann wird merkwürdig mythisch von einem König erzählt, der drei Frauen und vier Kinder hatte, von denen das Schönste und Beste ein gewisser Friedrich war. Dabei besteigt das gruselige Comic-Personal ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2005
Rubrik: Kindertheater, Seite 34
von Esther Slevogt

Vergriffen
Weitere Beiträge
Prinzip männliches Handeln

Dieser Parzival ist ein Pumuckl. Nicht äußerlich, da sieht er eher aus wie Mogli aus dem Dschungelbuch, ein nacktes Jüngelchen mit windelartigem Schurz. Aber innerlich. Ein Lausbub von begrenztem Intellekt, dafür mit ausgeprägter Klabauterschläue. Ein sympathischer Egoist, der zwar von Gott redet als einem Baum, dessen Blatt er ist, für den in Wahrheit aber dieses...

Chor der Demoralisierten

Der Skandal blieb aus, «die» Entdeckung ist es dann aber auch nicht gewesen: Als das Theater in Erlangen ankündigte, ein ausgegrabenes Stück des kommunistischen jüdischen Publizisten Alfred Kantorowicz (1899– 1979) uraufzuführen, das auch noch drohend den nackten Titel «Erlangen» trägt, witterten manche Bürger in einer Inszenierung des 1929 geschriebenen Dramas...

Über Stock und Stein

Theater heute Das Leitmotiv von «Theater der Welt» 2005 heißt «Heimweh nach der Zukunft». Klingt ein bisschen elegisch. 

Marie Zimmermann Ein bisschen Gefühl und Ironie hat noch selten geschadet. Eine Floskel dafür, dass Kultur immer auf verschiedenen Zeitebenen spielt. Die Echtzeit des globalen Marktes, an dem wir angeblich alle teilhaben, heißt ja nur, dass man...