Prinzip männliches Handeln
Dieser Parzival ist ein Pumuckl. Nicht äußerlich, da sieht er eher aus wie Mogli aus dem Dschungelbuch, ein nacktes Jüngelchen mit windelartigem Schurz. Aber innerlich. Ein Lausbub von begrenztem Intellekt, dafür mit ausgeprägter Klabauterschläue. Ein sympathischer Egoist, der zwar von Gott redet als einem Baum, dessen Blatt er ist, für den in Wahrheit aber dieses Blatt der eigentliche Stamm ist. Dass Tiere und Menschen sterben, wenn man zu fest draufhaut, dass es Regeln gibt und vielleicht ja sogar so etwas wie Gut und Böse, das weiß er nicht, das will er auch nicht wissen.
Er ist das verwöhnte Einzelkind, dem gefälligst die ganze Welt gehören soll.
So also zieht er los, denn Ritter will er werden. Ohne Umwege, Ausbildung oder anderen Firlefanz. Am Hofe Artus erschlägt er erst einmal Ither und trägt fortan dessen Rüstung. Dann wird die Handlung etwas undurchsichtig, er rettet und verlässt die eine oder andere Frau, tötet den einen oder anderen Ritter, vergewaltigt hier und beantwortet dort die Frage am Eingang zum Gral nicht richtig – aber in diesem inszenatorischen Genuschel hätte man die richtige Lösung eh überhört.
Simon Werle, der verdienstvolle Übersetzer und Autor, hat den ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Szene sieht stark nach Geisterbahn aus und könnte so auch als «Haunted House» in Disneyland durchgehen. Oder als Setting eines gruseligen Computerspiels. Ein langer Tisch zieht sich über die volle Bühnenbreite, an dessen oberen Enden zwei grotesk aussehende fette Kinder sitzen – links ein in schrilles Gelb gewandetes Mädchen (Corinna Beilharz) und gegenüber ein...
So ließe sich ein gepflegter Abend für Architekten an: «Lieber Kino als Essen». Verköstigungen sind gut, doch kalorienfrei ist besser. Leider trifft sich der filmische Geschmack von Aniela und Hugo nicht im Geringsten mit den Vorlieben des Dritten im Bunde: Jannis ist Statiker und Hobby-Cineast mit einem ausgeprägten Sinn für gehobenen Splatter à la Tarantino,...
Dieser Text lässt sich nicht einfach abschütteln. Er nistet sich ein, beißt sich fest, kriecht ein paar Nächte lang übers Kopfkissen. Er hinterlässt Bilder eines abscheulichen Verbrechens: Nach der Lektüre sieht man mondbeschienene Feldwege vor sich, leere Bierkästen Marke «Sternburger» und Springerstiefel, die nach einem erschöpften Körper treten. Man hört einen...
