Über Stock und Stein
Theater heute Das Leitmotiv von «Theater der Welt» 2005 heißt «Heimweh nach der Zukunft». Klingt ein bisschen elegisch.
Marie Zimmermann Ein bisschen Gefühl und Ironie hat noch selten geschadet. Eine Floskel dafür, dass Kultur immer auf verschiedenen Zeitebenen spielt. Die Echtzeit des globalen Marktes, an dem wir angeblich alle teilhaben, heißt ja nur, dass man von jedem Rechner dieser Welt 24 Stunden lang an irgendeiner Börse der Welt handeln kann. Das sagt über den Erfahrungshorizont des Subjekts, das an dem Rechner sitzt und makelt, noch gar nichts.
Davon jedoch erzählen die Kulturen in einer unterschiedlichen Ausrichtung auf der Zeitachse. Auch in unterschiedlichen Verwandtschaftsverhältnissen der Zeitebenen untereinander. Die Brüche und Kontinuitäten zwischen einer europäischen linearen Zeit, die immer nach vorne zielt, und kreisförmigen Vorstellungen des Wiederkehrens, die andere Kulturen kennen, kann man an einem so merkwürdig unzeitgemäßen Ort wie Stuttgart gut verknüpfen: Das Schwäbische ist auch nicht wegen seiner Schnelligkeit bekannt, sondern eher wegen seiner Stetigkeit. Außerdem hat man hier nicht vergessen, dass dieses Land bis weit in die sechziger Jahre des ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der Skandal blieb aus, «die» Entdeckung ist es dann aber auch nicht gewesen: Als das Theater in Erlangen ankündigte, ein ausgegrabenes Stück des kommunistischen jüdischen Publizisten Alfred Kantorowicz (1899– 1979) uraufzuführen, das auch noch drohend den nackten Titel «Erlangen» trägt, witterten manche Bürger in einer Inszenierung des 1929 geschriebenen Dramas...
s ist ein mieser Tag, kalt und regnerisch und auch schon nach 22 Uhr. Trotzdem bricht die Sonne durch, wenn Philipp Hochmair auf einen zustürmt: gut gelaunt, strahlend und hellauf begeistert von dem köstlichen Essen, das er soeben im Münchner «Volksgarten» genossen hat und das er nun auf unserem Weg in die ruhigere «Kostbar» in allen Einzelheiten beschreibt. Ein...
1. Klasse
Die Wege des Herrn sind unergründlich: Nachdem Bundespräsident Köhler noch kürzlich gegen das Regietheater gewettert hatte («Ein ganzer ‹Tell›, ein ganzer ‹Don Carlos›, das ist doch was!»), erhielt nun in seinem Auftrag der langjährige Direktor und Alleingesellschafter der Berliner Schaubühne, Jürgen Schitthelm, das Verdienstkreuz 1. Klasse des...
